Zehn Jahre Haft gefordert: Mutter zwang ihre gesunden Kinder in den Rollstuhl

 

Sie soll vier ihrer fünf Kinder jahrelang misshandelt haben. Maike B. habe den gesunden Söhnen und einer Tochter chronische Krankheiten angedichtet und zwang sie laut Anklage im Rollstuhl zu sitzen. Und das alles aus Geltungssucht und Geldgier, sagt die Staatsanwaltschaft und fordert zehn Jahre Gefängnis. Die Verteidigung hingegen hält eine milde Strafe für angemessen.

Wie der Anwalt das begründet, sehen Sie im Video.
 
 

Kinder mussten Schmerzen vortäuschen
 

Die Staatsanwaltschaft ist von der Schuld der Mutter überzeugt, das wird im Plädoyer deutlich. „Die Mutter redete den Kindern ein, dass sie beim Arzt Schmerzen vortäuschen sollten,“ sagt Staatsanwältin Renate Hansen. Die Ermittler seien überzeugt, dass keines der vier Kinder an Rheuma, der Bluter- oder der Glasknochenkrankheit leide und die Angeklagte das auch gewusst habe. Außerdem habe man bei einer Hausdurchsuchung gefälschte Befundberichte auf einer Festplatte gefunden.
 

 
Offenbar tat Maike B. das alles für Geld und Geltung
 

Die 49-jährige soll ihr gesamtes Umfeld getäuscht haben. Gegenüber Krankenkassen, Behörden und Ärzten hielt sie die Lüge ihrer kranken Kinder demnach über Jahre aufrecht. So habe sie die Sozialkassen um mehr als 135 000 Euro betrogen. Und ganz offensichtlich ging es Maike B. auch um Aufmerksamkeit. Bevor ihre Lüge ans Licht kommt, erzählt sie von ihrem vermeintlichen Schicksal in Fernsehsendungen. Auch ein RTL-Team ist vor fünf Jahren bei ihr Zuhause. Maike B. präsentiert sich als fürsorgliche und aufopferungsvolle Mutter.
 
 

Maike B. schweigt weiter
 

Auch am vorletzten Prozesstag sagt Maike B. selbst nichts zu den Vorwürfen. Seit ihr Lügengerüst zusammengebrochen ist, schweigt sie. Der Rollstuhl-Schwindel war aufgeflogen, als die älteste Tochter sich bei den Behörden meldet und der zuständige Kreis Ostholstein Unstimmigkeiten entdeckte und Anzeige erstattete.
 
 

„Kinder haben gelitten“


Jahrelang sollen die Kinder von Arzt zu Arzt geschleppt worden sein, teilweise hätten sie selbst nicht mehr gewusst, ob sie krank seien oder nicht. Offenbar durften sie Zuhause ganz normal laufen, rennen, toben. Aber: „Zeugen haben ausgesagt, dass die Kinder behaupten mussten auch Zuhause im Rollstuhl zu sitzen, ansonsten wurde ihnen von der Mutter das Heim angedroht,“ sagt Staatsanwältin Renate Hansen.  Die Angeklagte habe ihren Kindern damit schweren seelischen Schaden zugefügt.

 

 

Catharina Tomm / Neele Knetemann

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