WWF-Studie zeigt Auswirkungen des Meeresspiegelanstiegs auf Halligen


dpa - Der Meeresspiegel steigt und bedroht damit auch die Natur auf den Halligen. Eine aktuelle Studie der Naturschutzorganisation WWF zeigt Möglichkeiten auf, wie Küstenschutz und Naturschutz gemeinsam zu einer naturverträglichen Anpassung der Halligen an den Meeresspiegelanstieg beitragen können. Demnach sind mehr und höhere Uferbefestigungen als Schutz gegen Landunter allein nach Ansicht des WWF nicht die richtigen Mittel.

Im Gegenteil: «Die Halligen sollten wieder häufiger überflutet werden. Und zwar gerade weil der Meeresspiegel steigt», sagte der WWF-Experte für Wattenmeerschutz und Klimawandel, Jannes Fröhlich. Denn nur durch Überflutungen könnten die Halligen mit dem Meer in die Höhe wachsen und salzig bleiben, erläuterte Fröhlich. Auf den großen Halligen Hooge und Langeneß mit ihren hohen Sommerdeichen seien die Salzwiesen bereits heute stark ausgesüßt und lägen zu niedrig.

Fröhlich ist Mitautor der Studie, die das WWF-Wattenmeerbüro in Husum mithilfe externer Experten erstellt hat. Für die Halligbewohner stellten Landunter eine Erschwernis dar, dass wisse er, sagte Fröhlich. Aber: Die Salzwiesen auf den kleinen Eilanden bieten jährlich rund 60 000 brütenden Küstenvögeln wie Austernfischern und Seeschwalben Schutz. Die Halligen seien ein Top-Standort, sagte der Fröhlich. So brütet mit etwa 2000 Paaren rund die Hälfte der deutschen Küstenseeschwalben auf den Halligen. Die Brandseeschwalbenkolonie auf Norderoog umfasst mit etwa 3000 Paaren rund 70 Prozent des deutschen Brutbestandes.

«Klar ist, die Ufer der Halligen müssen auch zukünftig gegen den Abbruch geschützt werden, den Wellen und Strömung verursachen», heißt es in der Studie. Doch dabei brauche es Umsicht. «Denn: Werden die Halligen seltener überflutet, kommt es zur sogenannten Aussüßung der Salzwiesen. Überdies gelangen so weniger Schlick und Sand (Sedimente) auf die Halligen - mit der Folge, dass die Halligen nicht ausreichend mit dem Meeresspiegelanstieg in die Höhe wachsen können.»

Um die Natur auf den Halligen zu erhalten, sollten die Uferbefestigungen um die großen Halligen nach Ansicht des WWF dabei so gestaltet werden, dass es bei hohen Wasserständen wieder häufiger Überflutungen gibt, bei denen sich Sand und Schlick aus dem Meerwasser auf dem Land absetzen.

Um das heute bereits zu geringe Mitwachsen des flachen Marschlands zu verbessern, empfiehlt die WWF-Studie auch neuen Ideen eine Chance zu geben. «Steuerbare Sieltore wären eine Lösung. Damit lassen sich Überflutungen kontrollieren und das Wachstum mit dem Meeresspiegel fördern», sagte Fröhlich. Bei geeigneten Wasserständen könnten die normalerweise bei Flut geschlossenen Tore geöffnet werden. Weitere Vorschläge des WWF sind eine grünere Uferbefestigung sowie Sandaufspülungen statt Steinen zum Schutz einiger Halligufer.

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