Wohin, wenn die Wehen kommen? Kreißsaal in Emden nur wochentags besetzt

 

Für werdende Mütter ist die Geburt schon an sich mit viel Aufregung und Unsicherheit verbunden. Was aber, wenn sie dann mit geplatzter Fruchtblase und Wehen vor verschlossenen Türen stehen? In Emden ist das an den Wochenenden Realität. Der Grund dafür: Zu wenig Personal. Statt in Emden zu gebären, sollen werdende Mütter dann auf die Krankenhäuser in Aurich und Leer ausweichen, ein Umweg von bis zu 40 Kilometern. 

Wovor Hochschwangere in einer solchen Situation Angst haben, erklärt Tanja Gerdes von der Elterninitiative Mother-Hood im Video.  

 

Klinik verteidigt Entscheidung

 

Dass die Situation für die Schwangeren schwierig ist und sie verunsichert, kann die medizinische Geschäftsführerin Astrid Gesang des Krankenhauses nachvollziehen. Jedoch sei eine ohnehin schon dünne Personaldecke durch Krankheitsfälle noch dünner geworden. „Aus Mitarbeiter- und Patientenschutz mussten wir diesen Schritt einleiten, damit wir weiterhin sichere Geburtshilfe anbieten können“, sagt Astrid Gesang im RTL-Interview. Das Klinikum Emden und das Krankenhaus in Aurich werden gemeinsam von einer Trägergesellschaft geleitet. Am Standort Aurich würden laut Astrid Gesang schon neue Hebammen ausgebildet, der aktuelle Markt sei leergefegt.

 

Immer weniger Hebammen

 

Die Ausbildungsbedingungen für Hebammen sind schlecht, die Versicherungen teuer, darum entscheiden sich immer weniger Frauen für diesen Beruf. Für Schwangere ist dadurch die Versorgung nicht immer ausreichend gewährleistet. Mit dieser Situation kann niemand glücklich sein, findet auch die Elterninitiative Mother-Hood. Insbesondere Schließzeiten von Kreißsälen wie in Emden, bringen Mütter in unnötige Stresssituationen in einer ohnehin schon hochsensiblen Lebensphase, so Tanja Gerdes.

 

Bundesweite Personalengpässe

 

Nicht nur in Niedersachsen ist der Hebammenmangel und damit die Einstellung des Betriebs von Kreißsälen ein großes Problem: Laut dem Deutschen Hebammenverband sind von Schließung oder drohender Schließung in ganz Deutschland momentan rund 94 Kreißsäle betroffen, wie diese Karte zeigt. Seit 2017 schließt nach Angaben des Verbands im Schnitt jeden Monat ein Kreißsaal.

 

Thees Jagels/Mareike Baumert

 

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