Wie sehen unsere norddeutschen Innenstädte in Zukunft aus?

 

Leerstände und bevorstehende Schließungen von Kaufhäusern der Kette Galeria Karstadt Kaufhof lassen Innenstädte veröden. Neue Konzepte müssen her, das wissen auch die Politiker. Am Donnerstag hat der schleswig-holsteinische Landtag über die brisante Situation in den Städten beraten. "Lassen Sie uns gemeinsam unsere Innenstädte neu erfinden", sagte die SPD-Landesvorsitzende Serpil Midyatli in der Debatte. "Wir lassen keine Kommune mit ihren Problemen allein", versicherte Innenministerin Sabine Sütterlin-Waack (CDU).  Das nördlichste Bundesland ist von den aktuellen Schließungen der Kaufhauskette besonders stark betroffen, denn in Lübeck, Neumünster, Norderstedt und Flensburg sollen Filialen geschlossen werden. Nur noch ein Galeria Karstadt Kaufhof-Kaufhaus in ganz Schleswig-Holstein soll bestehen bleiben, das in der Landeshauptstadt Kiel.

 

Corona-Krise hat Probleme des City-Handels in vielen deutschen Städten verschärft

 

Dazu geraten die Innenstädte durch Onlineshops und Einkaufszentren auf der grünen Wiese immer mehr unter Druck. Hinzu kommt jetzt auch noch die Corona-Krise. Auch die Verbraucherzentralen fordern neue Innenstädte einzurichten. Die Idee: Zwischen Gastronomie, Handel und Veranstaltungen müsste mehr variiert werden. Nicht mehr nur Shop an Shop ist gefragt.

 

Auch Großstädte wie Hamburg arbeiten an neuen Konzepten

 

So verkündete die Behörde für Verkehr und Stadtentwicklung der Hansestadt Anfang August, dass der Prachtboulevard Jungfernstieg und das angrenzende Passagenviertel zum Weihnachtsgeschäft weitgehend autofrei werden sollen. Zulässig bleiben Busse und Lieferverkehr. So soll die Innenstadt verkehrsberuhigt und attraktiver für alle werden.

Jungfernstieg in Hamburg soll autofrei werden

Brisante Lage in Bremen

 

Durch die Corona-Krise verstärkt sich das Ladensterben auch in Bremen. Neben Kaufhof, Karstadt Sports schließt auch das Modehaus Zara seine Filiale. Bei einem Innenstadt-Gipfel im vergangenen Monat hat die Stadt eingeladen, um das weitere Veröden in ihrer City zu stoppen. Jetzt sollen neue Orte zum Verweilen entstehen, Straßen und Plätze sollen umgestaltet werden.

 

Zum Shoppen lieber nach Oldenburg

 

Manche Städte sind zwar kleiner, aber für viele attraktiver zum Shoppen. So übertrifft die niedersächsische Stadt Oldenburg ihre große Nachbarin Bremen in Sachen Beliebtheit beim Einkaufen. Das hat eine repräsentative Umfrage des Weser-Kuriers unter Bremern ergeben. Denn in Oldenburg gibt es genug Gastronomie, viele kleine Läden und es sei dort einfach gemütlich, so die allgemeine Meinung.

 

Nach Ladenschluss läuft nix mehr

 

Wenn teilweise um 18 Uhr die Geschäfte schließen, werden in vielen Innenstädten die Bürgersteige hochgeklappt. Da sich viele Cities hauptsächlich auf Shopping konzentrieren, gibt es kaum Anlass nach Feierabend oder am Sonntag dort zu verweilen. Verschenkter städtischer Raum, der unattraktiv ist. Eine Innenstadt die dauerhaft belebt sein soll, muss auch Wohnungen anbieten, damit Menschen dort einkaufen und leben können. Aber leben heißt nicht nur wohnen. "Ich brauche Kleinkunstflächen, Auftrittsmöglichkeiten, vielleicht auch Räumlichkeiten, wo sich Vereine, Verbände, andere treffen können - wo es von Modeschauen bis hin zu Messen alles geben kann", schlägt Klaus Müller, Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbs) vor.

 

Autofreie Innenstädte ja oder nein?

 

Es gibt viele Ansätze und Ideen. Sehr umstritten in der Debatte im Kieler Landtag am Donnerstag ist die Frage des Autoverkehrs in den Innenstädten.  Die „letzte Meile“ sollte ohne Auto bleiben, sagte der Grüne Joschka Knuth. „Autofreie Innenstädte sind auch kundenfreie Innenstädte“, meinte dagegen der FDP-Politiker Kay Richert. Aufenthaltsqualität gebe es auch im Stadtpark.

Allerdings nützt ein Spaziergang im Park dem Einzelhandel in der City auch nichts. 

 

Nicole Ide

Debatte im Kieler Landtag am Donnerstag
Mag ich