Weltweit gefragter Antikörpertest: Haben Lübecker Forscher das Erfolgsrezept entdeckt?

 

Vielleicht kennen Sie jemanden, der an Corona erkrankt und mittlerweile schon wieder genesen ist. Für Forscher in Lübeck sind diese Menschen gerade Gold wert. Denn in ihrem Blut befinden sich Antikörper. Und die sind vielleicht der Schlüssel zum Erfolg im Kampf gegen das Virus. Die Firma EuroImmun hat einen sehr vielversprechenden Test entwickelt, der weltweit gefragt ist. Was also macht den Test so besonders?

 

Ist das der Durchbruch in der Krise?

 

Für die Firma EuroImmun fühlt es sich auf jeden Fall an wie ein großer Erfolg. In ihren Laboren in Lübeck haben die Forscher einen der vielversprechendsten Antikörper-Tests entwickelt, die derzeit auf dem Markt sind. Dr. Christof Lehmann ist Sprecher von EuroImmun und sagt: „Dieser Test kann noch eine sehr wichtige Bedeutung bekommen für eine mögliche Exit-Strategie nach Ende des Shutdown, denn wenn es so ist, dass die Personen, die in diesem Test positiv sind auf der einen Seite nicht mehr ansteckend sind (…) und auf der anderen Seite auch noch immun sind gegen das Virus, können die eigentlich wieder ein ganz normales Leben führen.“

 

So funktioniert der Test

 

ELISA heißt das Verfahren, bei dem das Blut einer Testperson auf Plastikblättchen mit rund 100 kleinen Löchern geträufelt wird. Am Ende werden die Antikörper durch ein spezielles Licht sichtbar gemacht. EuroImmun hat den Antikörpertest vor seiner Zulassung an rund 70 Patienten getestet. Im Universitätsklinikum Eppendorf wird er jetzt in einer Reihenuntersuchung mit Spenderblut noch genauer hinsichtlich seiner Wirksamkeit analysiert. Insgesamt 25 verschiedene Antikörpertests sind derzeit auf dem Markt. Allerdings: von Massentest der Bevölkerung raten Mediziner noch ab.

 

Darum wird der Test kein Massentest



Dr. Sven Peine ist Transfusionsmediziner am UKE und erklärt: „Dieser Test ist sinnvoll im Einzelfall, um Infektionsketten zu schließen. Um zu schauen in einer Pflegeeinrichtung ist jemand erkrankt und man hat im Umfeld geschaut, wo könnte die Erkrankung herkommen.“ Denn noch ist die Zahl der Infizierten zu gering. Würde man beispielsweise zwei Millionen Hamburger auf Antikörper testen, wäre das ein bisschen wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen, so der Mediziner. Er glaubt nicht, dass es eine große Dunkelziffer an Erkrankten gibt. Stattdessen setzt er weiter auf den bekannten PCR Test – sprich Abstrich-Test, der eine aktuelle Infektion nachweisen kann.

Das bedeutet: Weiter testen und die infizierten Patienten dann zum Schutz aller anderen isolieren. Zumindest im Moment sieht es also noch nicht danach aus, als wäre der Antikörpertest der schnelle Weg aus dem Shutdown. Aber er ist langfristig wohl ein weiterer Baustein im Kampf gegen das gefährliche Virus.

 

Benjamin Zeitz / Eva Harms / Antonia Giese

Mag ich