Warum ein Rentner für diese Google-Bewertung 900 Euro zahlen soll

 

Man kann ja alles möglich im Internet bewerten: Urlaubsanbieter, Hotels, Restaurants, Friseure... und auch Ärzte. Peter Ihrig aus Hannover hat eine schlechte Bewertung über einen Arzt im Internet abgegeben. Die soll der Rentner zurücknehmen, so die Forderung des Arztes und obendrauf 887,03 Euro Anwaltsgebühren zahlen.

Wie der Rentner darauf reagiert hat, sehen Sie im Video.
  

„Ich habe nichts Unrechtes getan“
 

"Hatte zwei Termine in dieser Praxis und musste jedes Mal circa zwei Stunden warten. Unglaublich!" Es sind diese zwei Zeilen, mit denen Peter Ihrig aus Hannover seinen Ärger über einen Arztbesuch deutlich machen möchte. Doch nachdem der Rentner seine Bewertung im Internet veröffentlicht, bekommt er einen Brief vom Anwalt des Arztes mit einer Unterlassungserklärung und der Forderung nach rund 900 Euro Anwaltskosten. Peter Ihrig ist wütend und sagt im RTL Nord-Interview: „Ich habe eine sachliche Bewertung abgegeben, habe niemand beleidigt oder eine Qualifikation in Frage gestellt. Ich habe lediglich gesagt, was mir in der Praxis passiert ist."
 

„Ich hatte das Gefühl, dass er mich unter Druck setzt“
 

Peter Ihrig dagegen erzählt uns vor der Kamera, dass der Arzt ihn telefonisch kontaktiert und nach seinem Empfinden einschüchtern will: „Der Arzt sagte, ich hab‘ die Faxen dicke mit diesen ewigen Bewertungen. Nehmen Sie die bitte raus, sonst wird das für Sie eine verdammt teure Geschichte." Der Rentner sagt weiter: „Der Arzt hätte ja auch mit mir vernünftig reden können, als er mich schon angerufen hat. Aber mich so massiv unter Druck zu setzen, das hat mich am meisten geärgert." Peter Ihrigs Entscheidung steht fest: Er will seine Bewertung nicht löschen und weigert sich auch weiterhin, die Anwaltskosten zu zahlen.

 

Das Problem mit den Fakten
 

Peter Ihrig ist sich keiner Schuld bewusst. Aus seiner Sicht beruht seine Online-Bewertung auf Fakten. Doch das ist das Problem, sagt Rechtsanwalt Sven Jürgens: „Man muss die Fakten auch beweisen können.“ Sonst könnten Unternehmen ja willkürlich angeschwärzt werden. Rechtsanwalt Sven Jürgens erklärt weiter: „Wenn sie Bewertungen im Sternebereich abgeben, können Sie Ihren Gefühlen freien Lauf lassen, das ist nicht überprüfbar. Gefährlich wird's nur, wenn man über das Ziel hinausschießt, beleidigend wird oder Schmähkritik äußert. Kritisch ist auch immer der Bereich von Tatsachen. Denn wenn sie Tatsachen behaupten, müssen Sie die später auch beweisen können. Klappt das nicht, wird's teuer." Wenn man diese Regeln beim Online-Bewerten beachtet, dürfte es aber keine Probleme geben.

 
Anna Hacker / Metin Turan

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