Wären V-Leute fast aufgeflogen? Das sagt der Innenminister zum Akten-Diebstahl

 

Nachdem bekannt wurde, dass bereits im Mai aus dem Auto eines LKA-Polizisten eine Tasche mit sensiblen Dokumenten über V-Leute gestohlen wurde, äußerte sich heute Innenminister Boris Pistorius (SPD) vor dem Innenausschuss zu dem Fall.

Was er zu dem Diebstahl sagt, sehen Sie im Video. 

 

Diebstahl wurde erst jetzt öffentlich

 

Bereits im Mai soll ein LKA-Beamter eine Tasche mit den Dokumenten in seinem privaten Auto liegen gelassen haben. Er soll im Dezernat für operative Informationen arbeiten und V-Leute, also Vertrauenspersonen der Behörde, führen. Den Wagen soll der Mann auf dem Parkplatz einer Kinderklinik in Hannover abgestellt haben, weil er seinen Sohn zu einem Arzttermin begleiten wollte. Die Tasche wurde auf noch ungeklärte Weise aus dem Kofferraum gestohlen und zwei Tage später von einem Angler an den Ricklinger Kiesteichen gefunden. Der Diebstahl wurde erst jetzt bekannt, weil das Innenministerium einen entsprechenden Bericht dem zuständigen Ausschuss vorgelegt hat.

 

Dokumente nicht beachtet?

 

Aus dem Bericht geht hervor, dass zwar Diensthandy, Geld und Dienst-EC-Karte des Mannes gestohlen wurden, die Dokumente aber wahrscheinlich ungelesen in der Tasche blieben. Die Akten sollen Aufschluss über die Informationsbeschaffung des LKA geben, also hochsensible Daten enthalten. Sie hätten möglicherweise die Identität der V-Leute preisgeben können. Mit der EC-Karte wurde nach der Tat Geld abgehoben, nach dem Täter wird gefahndet. Laut dem Chef des niedersächsischen Landeskriminalamts, Friedo de Vries, habe der Beamte gegen die Vorschriften in einem sensiblen Aufgabenbereich verstoßen, aber das Landeskriminalamt und die betroffenen V-Leute, deren Informationen offenbar in den Dokumenten standen, nicht geschädigt.

 

Kein organisatorisches Versagen

 

Auch Innenminister Boris Pistorius (SPD) sagt heute vor dem Innenausschuss, der Diebstahl sei auf individuelles Fehlverhalten des LKA-Polizisten zurückzuführen, es gebe kein organisatorisches Versagen. Der Beamte hatte den Vorfall noch am selben Tag seinem Vorgesetzten gemeldet und angezeigt. Gegen ihn wurde ein Disziplinarverfahren eingeleitet, er soll derzeit nicht mehr mit V-Leuten befasst sein.

 

Mareike Baumert

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