Von Cholera zu Corona: Was wir aus der Vergangenheit lernen können!

 

Wie wir heute mit Corona umgehen, das liegt tatsächlich auch an Erkenntnissen von vor 100 Jahren. Damals kam Robert Koch höchstpersönlich in das von Cholera verseuchte Hamburg und war über die hygienischen Zustände dort schockiert.

 

Vor 128 Jahren starben Tausende, weil die Stadtväter nichts von Hygiene hielten

 

Unter welchen Bedingungen die Menschen lebten, warum Hunderttausende an den Seuchen starben, auf diese Fragen findet man Antwort im Medizinhistorischen Museum am UKE in Hamburg.

Hier wird auch die Cholera-Epidemie von 1892 aufgearbeitet. Viele Ausstellungsstücke im Museum erzählen von einem der dunkelsten Kapitel der Hansestadtgeschichte. Denn die Cholera ist eine massive Durchfallerkrankung mit Erbrechen. Die Betroffenen erkranken ganz plötzlich und erleiden einen starken Verlust von Flüssigkeit und das endet tödlich.

 

Der erste Cholera-Tote in Hamburg war ein junger Maurergeselle

 

Der Ausbruch der Krankheit in Hamburg war die letzte große Cholera-Epidemie Europas. In einem Sektionsbuch von damals wurden die Hamburger Opfer der Seuche dokumentiert. Sogar der erste Fall ist aufgezeichnet. Es ist ein 24-jähriger Mann namens Köhler. „Ein Maurergeselle war das, der an Durchfallerkrankung gestorben ist“, bestätigt Prof. Philipp Osten. Er ist Medizinhistoriker und Direktor des Medizinhistorischen Museums. Wie die Ärzte damals feststellten, war der Maurergeselle an der Cholera gestorben.

Der erste Cholera-Tote war ein junger Maurergeselle

Stadtväter stellten sich stur

 

Im Sommer 1892 füllten sich die Seiten des Sektionsbuchs mit den Toten der Seuche. Aber die Verantwortlichen der Stadt Hamburg schenkten den Warnungen der Ärzte keinen Glauben. „Also erst mal wollte Hamburg gar nicht auf diese Epidemie reagieren. Die wollten es nicht wahrhaben, dass es Bakterien gibt, die krankheitserregend sind“, so Osten. Denn tatsächlich glaubten die Politiker lieber an giftige Dämpfe, die aus dem Boden aufsteigen, sogenannte Miasmen. „Und dann, als diese Epidemie nicht mehr zu übersehen war, kam das kaiserliche Gesundheitsamt aus Berlin und entsandte Robert Koch, den obersten Bakteriologen.“

Robert Koch

Pesthöhle Hamburger Gängeviertel

 

Was Robert Koch in Hamburg vorfand, war eine hygienische Katastrophe. Besonders das sogenannte Gängeviertel, das riesige Elendsviertel in der Innenstadt mit seinen eng bebauten Wohnquartieren, war für Koch ein schrecklicher Ort. Er beschrieb es als Pesthöhle und berichtete, dass hier Verhältnisse seien, die er in Europa noch nie gesehen habe. Der Grund für die Cholera war verschmutztes Wasser. Das Trinkwasser wurde damals ungefiltert aus der Elbe entnommen und die war mit den Abwässern verunreinigt.

Senat und Bürgerschaft hatten sich jahrzehntelang nicht auf den Bau einer Filteranlage einigen können. Rund 8.500 Hamburger sind dadurch an der Cholera gestorben.

Hamburger Gängeviertel

Wie bekämpfen wir Covid?

 

Aber die Erkenntnisse von damals helfen uns noch heute. „Die derzeitigen Pandemie-Pläne des Robert Koch Instituts, die gehen zum Teil zurück auf die Bekämpfungsstrategie der Spanischen Grippe in den Vereinigten Staaten vor 100 Jahren“ verdeutlicht der Medizinhistoriker.

 

Impfstoff rettete viele Menschenleben

 

Vor gut 50 Jahren grassierte auf der Welt ein Erreger, der inzwischen schon fast vergessen ist.  Die sogenannte Hongkong-Grippe. In Deutschland starben daran schätzungsweise über 40.000 Menschen. „Die Hongkong-Grippe war Ende der 60er Jahre. Deutschland hat das massiv erst 1970 erreicht. Das Besondere an dieser Hongkong-Grippe war, dass man dagegen impfen konnte. Das war also eine der ersten Grippe-Epidemien, für die es einen spezifischen Impfstoff gab.“ Damit hätten damals viele Menschenleben gerettet werden können, fasst der Professor zusammen.

 

So können wir von den verheerenden Seuchen der Vergangenheit lernen, um die richtigen Schutzmaßnahmen für die Zukunft zu treffen.

 

Andreas Geerken / Nicole Ide

Prof. Philipp Osten. Er ist Medizinhistoriker und Direktor des Medizinhistorischen Museums.
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