Verkaufsstopp von Energy-Drinks: Ein Lübecker Händler will Vorbild sein

 

Energy-Drinks im Einkaufsbeutel von 10-jährigen Schulkindern? In Deutschland ist das kein Problem, denn es gibt kein Verkaufsverbot. Ein Lübecker Händler will das nicht länger verantworten.


Energy-Drinks im Lübecker Edeka nur noch mit Personalausweis


Wer im Edeka Krause in Lübeck einen Energy-Drink kaufen will, muss mindestens 16 Jahre alt sein – und das auch beweisen können. „An Jugendliche nur noch bei Vorlage eines gültigen Personalausweises“ steht auf einem Schild vor dem Regal mit eben jenen koffein- und zuckerhaltigen Limonaden. Denn an diesem Regal haben sich in der Vergangenheit oft Kinder und Jugendliche bedient. „Ich wollte das nicht mehr verantworten, Energy-Drinks sind für die Kids ungesund“, sagt Inhaber Sven Krause. Dass er damit freiwillig auf Einnahmen verzichtet, falle aber insgesamt aufgrund der großen Nachfrage nicht merklich ins Gewicht.


Süße Limo, die munter macht – ein Riesengeschäft zu welchem Preis?


Erwachsene, darunter besonders Studenten, greifen gerne zu den koffeinhaltigen Erfrischungsgetränken, um ihre Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit zu steigern. Doch auch fast 70 Prozent aller Jugendlichen trinken Energy-Drinks, und jeder vierte von ihnen mehr, als gesund ist, wie die Verbraucherzentralen in Deutschland 2017 mitteilen. Für Kinder und Jugendliche besteht ein gesundheitliches Risiko laut einem Gutachten der Europäischen Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) dann, wenn sie mehr als 3 Milligramm Koffein pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag aufnehmen. Diese Menge erreicht ein 13-jähriger Junge mit einem Körpergewicht von circa 54 Kilogramm mit 0,5 Liter Energy-Drink, also schon mit ein bis zwei Dosen. Kinder und Jugendliche trinken aber oft mehr, weil die süßen Getränke nicht nur wach machen, sondern ihnen auch noch gut schmecken. Nervosität, Herzrasen, Schlaflosigkeit, Übelkeit, Kopfschmerzen und Schweißausbrüche sind mögliche Folgen des übermäßigen Konsums. Auch Bluthochdruck, Wahrnehmungsstörungen bis hin zum Kreislaufkollaps können auftreten.


Übeltäter Koffein – oder auch andere Zusätze?


Energy-Drinks beinhalten natürlich nicht nur Koffein, sondern auch andere Zutaten, unter anderem Zucker, Taurin, Glucuronolacton, Farbstoffe und Aromen. Durch den hohen Zuckergehalt haben sie relativ viele Kalorien, etwa so viel wie Cola-Getränke oder Limonaden. Umgerechnet bis zu 24 Stück Würfelzucker kann eine 500 ml-Dose enthalten. Die Drinks können also besonders für die Vieltrinker unter den Kindern das Risiko erhöhen, an Übergewicht oder Diabetes zu erkranken. Es gibt zudem Hinweise, dass insbesondere der gleichzeitige Konsum von Energydrinks und größeren Mengen an Alkohol negative gesundheitliche Effekte fördern können.


Was tut die Politik gegen den Energy-Boom?


In Deutschland dürfen Energy-Drinks nach wie vor an Kinder und Jugendliche verkauft werden. Einige Einzelhändler wie etwa die Drogerieketten Rossmann und DM haben sich in den vergangenen Jahren selbst verpflichtet, die Erfrischungsgetränke nicht mehr an Minderjährige zu verkaufen. Das Gesetz verpflichtet die Hersteller bis dato lediglich, einen Warnhinweis wegen des enthaltenen Koffeins auf der Dose zu platzieren und schreibt außerdem eine zulässige Höchstmenge an Koffein und anderen Stoffen vor. Doch Verbraucherschützer und Gesundheitsexperten fordern seit Längerem ein generelles Verkaufs-Verbot der Energy-Drinks an Minderjährige. Bundesernährungsministerin Julia Klöckner hatte sich noch 2018 gegen ein solches Verbot ausgesprochen, da dieses nicht nachhaltig vor dem Missbrauch schützen würde. Nicht das Verbot, sondern die Prävention und Aufklärung sollten im Fokus stehen, wie bereits mehrere Politiker parteienübergreifend im Rahmen der Debatte äußerten. Andere Länder sind da weitaus drastischer: In Litauen etwa dürfen Minderjährigen schon seit einigen Jahren keine aufputschenden Getränke mehr verkauft werden. Auch in Großbritannien haben viele Handelsketten den Verkauf von Energydrinks an Jugendliche unter 16 Jahren eingestellt. In Deutschland ziehen dennoch allmählich kleinere Händler aus eigenen Antrieb nach, so wie Sven Krause.

Quellen: Verbraucherzentrale


Lorraine McIlvenny

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