Urteil in Hamburg: Rentner-Bankräuber muss lebenslang hinter Gittern

 

Mit 71 Jahren führen die meisten Senioren einen beschaulichen Lebensabend. Doch Michael Jauernik hat ein kriminelles Hobby: Banküberfälle. Dafür stand er schon oft vor Gericht, saß mehrfach in Haft und mischt seit fast 50 Jahren die deutsche Justiz auf. Im Januar 2017 soll er eine Sparkassen-Filiale in Hamburg überfallen und dabei sogar einen Angestellten angeschossen haben.

Was er für eine Show vor dem Gericht abzog, sehen Sie im Video.

 

Ein Auftritt wie ein Hollywood-Star


Vor Gericht zeigte sich Jauernik wenig demütig – stattdessen kam er mit Sonnenbrille, schimpfte über angeblich unfähige Ermittler und schwadronierte in seinem letzten Wort mehr als fünf Verhandlungstage lang vor den Richtern. „Ich habe mehr juristisches Wissen als meine Anwälte“ so der Rentner. Während der Urteilsverkündung unterbrach der 71-Jährige immer wieder die Richterin.

 

Michael Jauernik klaute immer donnerstags


Die Verbrechen des Rentners haben ein Schema: immer donnerstags, immer eine Filiale der Sparkasse, immer mit vorgehaltener Schusswaffe und die Flucht immer mit dem Fahrrad. Verurteilt wurde er nun wegen drei Überfällen in den Jahren 2011, 2017 und 2019.

 

„Keiner drückt den Alarmknopf, sonst erschieße ich euch alle!“


Jauernik soll bei seinen letzten Überfällen äußerst brutal vorgegangen sein. Zum Jahresende 2011 soll er in eine Bank-Filiale gestürmt sein und laut Zeugenaussagen gedroht haben: „Keiner drückt den Alarmknopf, sonst erschieße ich euch alle!“. Seine Beute: mehr als 14.000 Euro. Bei seinem Raubzug im Januar 2017 schoss er dem Bankangestellten Lars K. scheinbar grundlos in den Bauch. Nur durch eine Notoperation konnte der Mann gerettet werden. Die Taten hatte der redselige Jauernik vor Gericht gestanden, eine Tötungsabsicht allerdings bestritten – der Schuss sei nicht mit Absicht gefallen.

 

Unbelehrbarer Serien-Bankräuber


Die ersten Banken raubte Michael Jauernik schon in den 1970er Jahren aus. Die Polizei fasste ihn und Jauernik kam in ein Gefängnis in Kahlsruhe. Doch Jauernik hörte nach der Haft mit seinem kriminellen Hobby nicht auf: In den 80er Jahren setzte er seine Bankräuber-Leidenschaft fort, überfiel in Hamburg mehrere Sparkassen. Diese Raubserie brachte den heute betagten Mann in die Vollzugsanstalt Fuhlsbüttel – auch „Santa Fu“ genannt.

 

Gefängnisrevolte in Santa Fu


In „Santa Fu“ zettelte Michael Jauernik 1990 einen fünftägigen Aufstand an. Gemeinsam mit Mitgefangenen stieg der damals 41-jährige Jauernik auf das Dach der Gefängniskirche und protestierte für bessere Haftbedingungen.

 

Haft mit Sicherungsverwahrung


Der Berufs-Räuber soll seinen Lebensabend nun im Gefängnis verbringen. Laut Staatsanwaltschaft sei Michael Jauernik unbelehrbar und die Wahrscheinlichkeit zu groß, dass er nach seiner Haftstrafe wieder auf Raubzüge geht.

 

Alisha Elling / Julia Franz

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