Kinder in Rollstuhl gezwungen: Urteil im Prozess gegen Maike B.

 

Sie quälte vier ihrer fünf Kinder, redete ihnen ein, unter schwersten Krankheiten zu leiden, zwang sie teilweise sechs Jahre lang in einen Rollstuhl, obwohl alle von ihnen kerngesund sind – davon sind die Richter überzeugt. Das Landgericht in Lübeck hat Maike B. zu acht Jahren Haft verurteilt. Wie kann es sein, dass sie so lange damit durchkam? Auch wir waren vor fünf Jahren bei Maike B. Zuhause.

 

Im Video schildert unsere Reporterin, wie sie die Situation vor Ort erlebte.

 

Ungereimtheiten fielen auf - doch niemand handelte

 

Richterin Helga von Lukowicz schildert die perfide Masche so: "Die Kinder bekamen Anweisungen bei Gutachterbesuchen. […] Ihnen wurde gesagt, dass sie lebenslang beeinträchtigt sein würden […] und sie sagten nur, was ihnen vorgegeben wurde. Die Schwester berichtete, dass es sonst Ärger gab." Dennoch gibt es Ungereimtheiten, die den Lehrern und Schulbegleitern auffielen. Ein Sohn machte einmal eine Klassenfahrt mit, ganz ohne Rollstuhl. Auch sahen die Lehrer nie Verdickungen an den Händen, wie sie es bei der angedichteten Rheuma-Erkrankung eigentlich haben müssten. Bis auf die Aussagen der Mutter gab es keine Anzeichen dafür, dass die Kinder krank seien. Doch niemand forschte nach.

 

Harte Fakten in der Urteilsbegründung

 

Dass das die Kinder auch psychisch stark beeinflusst, war Maike B. offenbar schlichtweg egal. Sie leidet unter dem Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom, hat also einen so starken Drang nach Aufmerksamkeit, dass sie dafür sogar die Gesundheit und auch die Zukunft ihrer eigenen Kinder aufs Spiel setzt. Trotz der Krankheit, waren ihr ihre Taten bewusst. In der Urteilsbegründung findet die Richterin Helga von Lukowicz klare Worte für die Taten von Maike B.: "Ihre Verhaltensweise zeigt den Kindern, dass sie nicht liebt, sondern benutzt, um Geld zu bekommen." Laut dem Gericht besitzt die fünffache Mutter "manipulative Fähigkeiten", die sie nutzte, um die Kinder zu beeinflussen: "Die Kinder dachten, auch später in Pflegefamilien, sie seien wirklich krank", so die Richterin.

 

Die perfiden Taten von Maike B.

 

Maike B. hat fünf Kinder, zwei Mädchen und drei Jungs. Doch das liebevolle Familienleben, das sie nach außen hin spielt, ist hinter verschlossenen Türen ganz anders. Maike B. nutzt ihre Kinder offenbar aus, um sich auf Kosten der Sozialkassen zu bereichern und Aufmerksamkeit zu bekommen.


2009: Einer ihrer Söhne wird operiert und muss tatsächlich für kurze Zeit im Rollstuhl sitzen.
2012: Maike B. behauptet, ihre Kinder leiden an der Glasknochenkrankheit.
2013: Die Mutter sagt, ihre Kinder haben Anzeichen für Arthritis. Sie fälscht Arztbescheinigungen und organisiert für ihre Kinder einen Schulbegleiter, da sie die meiste Zeit im Rollstuhl sitzen müssen.
2014: Maike B. erzählt ihrer Tochter, dass sie im Rollstuhl sitzen müsse, da sie sonst, wegen einer falschen Bewegung, querschnittsgelähmt werden könne. Insgesamt werden den Kindern durch gefälschte Arztbescheinigungen Medikamente im Wert von einer Million Euro verschrieben.
2016: Die Tochter von Maike B. wendet sich an das Jugendamt, sagt, dass sie nie wieder nach Hause möchte und bringt so die Sache ins Rollen.

 

Uneinsichtigkeit und Fluchtgefahr

 

Maike B. muss wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen in vier Fällen und 17 Fällen von Betrug acht Jahre ins Gefängnis. Auch entstandene Kosten von 79.000 Euro soll sie tragen. Die fünffache Mutter soll laut einem Beschluss direkt in Untersuchungshaft genommen werden, da bei ihr laut dem Gericht eine Fluchtgefahr besteht. Maike B. leidet an einer Persönlichkeitsstörung und sieht sich als Opfer des Staates. Von Einsichtigkeit zeigt sie keine Spur. Sie kann innerhalb von einer Woche Revision einlegen.

 

Sabrina Ilski / Catharina Tomm

 

 

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