Todespfleger Niels Högel: Staatsanwaltschaft klagt seine ehemaligen Vorgesetzten an


Die Staatsanwaltschaft Oldenburg hat fünf ehemalige Vorgesetzte von Niels Högel wegen Totschlags durch Unterlassen angeklagt. Unter den Angeklagten befinden sich der Ex-Geschäftsführer des Klinikums Oldenburg, die ehemalige Pflegedirektorin, zwei Chefärzte und ein Stationsleiter.


Schwere Vorwürfe



Über 60 Taten seien dem Ex-Geschäftsführer, der Pflegedirektorin und dem Chefarzt der Anästhesie bekannt gewesen. Darüber hinaus sollen sich drei der fünf Beschuldigten nicht nur für die Morde in Oldenburg verantworten, sondern auch für die im Klinikum Delmenhorst - das Klinikum in dem Högel später ebenfalls arbeitete und mordete. Den drei Führungskräften wird zu Last gelegt Listen über die Reanimationsversuche und Dienstzeiten der Pflegekräfte in Auftrag gegeben und ihn anschließend nach Delmenhorst „weggelobt“ zu haben. In der Privatwohnung des Stationsleiters wurden elektronische Speichermedien und Unterlagen, die das belegen könnten, bereits sichergestellt.


Högel will Revision



Der Serienmörder wurde im Juni wegen 85-fachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. In 15 Fällen wurde er auf Grund mangelnder Beweise freigesprochen. Wie lange das Revisionsverfahren dauert, ist noch unklar. Allerdings darf er bei laufender Revision nicht in den Verfahren gegen seine ehemaligen Vorgesetzten aussagen, das könnte die anstehenden Prozesse erschweren.


Vier weitere Anklagen gegen Klinik-Mitarbeiter



Schon 2016 hat die Staatsanwaltschaft Klage gegen vier Klinikmitarbeiter aus Delmenhorst wegen Totschlags durch Unterlassen erhoben. Sie sollen weitere Morde nicht verhindert haben, nachdem bereits der Verdacht gegen Högel bestanden haben soll. Die beiden Prozesse können erst beginnen, wenn Högels Revision abgeschlossen und das Urteil gegen ihn rechtskräftig ist.

 

Jan Bockemüller

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