Tierwohl um jeden Preis: Staatsanwältin vor Gericht

 

Es ist ein Fall, der Hans Beil fassungslos macht, aber ihm jetzt auch ein Stück weit den Glauben an die Gerechtigkeit zurückgibt: 2011 kommen über 60 Polizisten und die heute angeklagte Staatsanwältin auf seinen Hof und beschlagnahmen 88 seiner Pferde. „Das war ein Überfallkommando ohne Vorwarnung“, beschreibt er die Situation damals. Heute, fast 8 Jahre später, steht die Staatsanwältin vor Gericht und muss sich für das, was sie Hans Beil und vielen anderen angetan haben soll, verantworten.

Wie Hans Beil den ersten Prozesstag erlebt hat, sehen Sie im Video.


Besonderer Prozess: Staatsanwältin sitzt selbst auf Anklagebank


Die inzwischen suspendierte Kieler Staatsanwältin soll in neun Fällen bei Notverkäufen von beschlagnahmten Tieren gegen Verfahrensvorschriften verstoßen haben. Gegen die Tierbesitzer wurde der Anklage zufolge wegen Straftaten nach dem Tierschutzgesetz ermittelt. In einem weiteren Fall soll die Juristin “schlecht gehaltene Tiere eines Landwirts ohne förmliche Notveräußerung eigenmächtig veräußert haben”.

Sie habe Fehler gemacht, räumte die die 44-Jährige vor Gericht ein, bestreitet aber den Hauptvorwurf. “Keinesfalls aber habe ich das Recht gebeugt”, sagt sie.


Milchbauer: „Das ist mein Ruin, ich habe keine Chance mehr auf die Beine zu kommen“


Milchbauer Dieter Scherrer musste 2014 das Gleiche durchmachen, wie Hans Beil. 46 Jahre war er Milchbauer, bis die Staatsanwaltschaft Kiel seine 155 Kühe beschlagnahmt. "Ich hatte am 27. Januar eine Kontrolle vom Kreisveterinäramt und da haben die einige Mängel festgestellt und die sollte ich innerhalb einer Woche abarbeiten und da habe ich auch abends mit angefangen. Aber leider konnte ich das nicht fortsetzen. Die Staatsanwältin ist erschienen und hat entschieden, dass hier abtransportiert werden soll und ich habe bis heute nicht verstanden warum.", erzählt er uns im Jahr des Vorfalls. Die Staatsanwältin habe ihm damals seine Existenz zerstört. "Ich habe den Betrieb an meinen Sohn verpachtet. Aber ich habe nur noch Kosten. Das ist mein Ruin, ich hab keine Chance mehr auf die Beine zu kommen.”

36 Verhandlungstage sind angesetzt, ein Urteil könnte Ende März 2020 fallen.

 

Antonia Giese / Catharina Tomm

 

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