Depressionen: Dank Studenten aus Bremerhaven bekommt das Tagebuch einer Anonymen Gehör

 

Duschen, Zähneputzen, Haare bürsten. Für fast jeden Menschen eine Selbstverständlichkeit und fester Bestandteil der Morgenroutine. Doch für manche Menschen erfordern selbst die einfachsten Dinge viel Überwindung. Die Krankheit „Depression“ hat sie fest im Griff und nimmt ihnen jeglichen Antrieb, ihren Alltag zu meistern.

 

Wie Studenten der Hochschule Bremerhaven aus den Gedanken einer depressiven jungen Frau einen Film gemacht haben, der nun sogar für das Internationale Documentary Festival in Wales nominiert ist, sehen Sie im Video.

 

Der Dokumentarfilm „Kimberly“ basiert auf den Tagebucheinträgen einer jungen Frau, die der Hochschule über eine Kontaktperson vermittelt wurden. Mit der Krankheit Depressionen haben sich Caroline Schneider und ihre Kommilitonen allerdings schon vor der Übermittlung des Tagebuchs auseinandergesetzt. Die Illustratorin des Films erklärt, warum dieses Projekt sie auch außerhalb der Hochschule nicht losgelassen hat: „Ich glaube, jeder konnte sich damit identifizieren, sei es die Müdigkeit oder die Lustlosigkeit, manchmal, auch wenn man das eigentlich gar nicht möchte. Und wir hatten auch einige, die sich ein bisschen mehr damit identifizieren konnten und ich glaube, wir haben da alle ein gutes Verständnis aufgebaut für die Thematik.“

 

Die Frage nach dem verdammten Sinn

 

„Warum kann ich nicht aufhören, ans Sterben zu denken?“ Auch diesen Gedanken schreibt „Kimberly“ (der richtige Name der jungen Frau wurde geändert) auf. Sie erklärt, dass jeder neue Tag ein Kampf für sie ist. Sie fragt sich, ob das Aufstehen überhaupt einen Sinn ergibt oder ob sie besser einfach liegen bleiben soll. Emotionen, die sie nicht aus sich rausbekommt, die sie innerlich auffressen. An manchen Tagen schlimmer als an anderen.

 

Grenzerfahrungen – auch für die Studenten 

 

Caroline Schneider findet es sehr mutig, dass Kimberly ihre intimsten Momente mit ihr, den anderen Studenten und der ganzen Welt teilt. Auch der Betreuer der Studenten, Prof. Dr. Holger Rada, ist hier an seine Grenzen gekommen: „Es ist nicht das erste Mal, dass ich mit dem Thema Depressionen hier an der Hochschule in Berührung komme, aber so nah mitzubekommen, wie schlecht es Menschen, jungen Menschen vor allem gehen kann, das hat mich sehr berührt und das war eines derjenigen Projekte, die sind nicht vorbei, wenn wir abends nach Hause fahren.“

 

Lob von Kimberly

 

Schon jetzt hat sich das Projekt der Hochschule Bremerhaven mehr als gelohnt, denn Kimberly selbst hat den Film bereits gesehen und sich per Brief bei der Gruppe bedankt. Ihr ist wichtig, dass ihre Message gehört wird. Denn Kimberly ist sich sicher: „Manchmal kannst du eine Person nicht retten, denn den Kampf gegen die Depression führt sie ganz alleine. Du kannst sie aber unterstützen und lieben“.

 

Leiden Sie selbst an Depressionen? 

 

Falls auch Sie unter Depressionen leiden und sich mit Gleichgesinnten austauschen wollen, hier finden Sie die größte Datenbank mit Kliniken, Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen. 

 

Carmen Gocht / Pia Schmücker

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