Sie schwamm um ihr Leben und dann um Olympia

 

Sie gibt nicht auf – egal ob damals im Mittelmeer oder heute im Schwimmbecken. Vor fünf Jahren ist Yusra Mardini zusammen mit ihrer Schwester aus dem bürgerkriegsgeplagten Syrien nach Europa geflohen, um in Deutschland sicher leben zu können. Die damals 17-jährige war mutig – mutiger als ihre Eltern. Denn zusammen mit ihrer Schwester riskierte sie ihr Leben in der Hoffnung in Deutschland ein besseres zu finden. Zusammen mit 18 weiteren Menschen wagte sie 2015 die Überfahrt in einem Schlauchboot nach Deutschland. Danach überzeugte sie ihre Eltern nachzukommen.

 

Was die junge Syrerin antreibt, sehen sie im Video.

 

Überfahrt mit Turbulenzen

 

Die 25-tägige Fahrt übers Meer aus einem Land, das schon allein mit dem Flugzeug sechs Stunden entfernt ist, verlief dabei keineswegs reibungslos. Auf der Fahrt von der Türkei nach Griechenland hat der Motor des Schlauchbootes, das eigentlich nur für sieben Personen zugelassen war, versagt. Mit Schwimmen haben Yusra, ihre Schwester und zwei weiteren Flüchtende das Boot wortwörtlich über Wasser gehalten. „Wir mussten ins Wasser springen und das Boot stabilisieren. Sie haben zu uns gesagt, es dauere 45 Minuten, doch dann waren wir dreieinhalb Stunden im Wasser bis wir in Griechenland angekommen sind. That’s why …. Schwimmen hat mein Leben gerettet.“

 

Lebenswichtige Leidenschaft

 

Sicher zu leben ist für Yusra das Wichtigste. An zweiter Stelle kommt das Schwimmen. Schon mit drei Jahren bekam Yusra von ihrem Vater, damals noch in Syrien, Schwimmunterricht. Heute trainiert Yusra am Olympiastützpunkt Hamburg für ihre Träume. Ihr klares Ziel: Sie will 2021 für das Refugee-Team bei den Olympischen Spielen in Tokio starten. Schon 2016 ist sie in Rio angetreten. Eine Medaille würde Yusra stolz machen, eine deutsche Staatsbürgerschaft aber auch.

 

Gelungene Integration

 

Vor 5 Jahren hat Bundeskanzlerin Angela Merkel mit ihrem Ausspruch „Wir schaffen das!“ ein positives Zeichen für die Aufnahme von Geflüchteten setzen wollen. Yusra Mardini verkörpert diesen Ausspruch. „Sie ist ein Vorbild für viele Sportler. Sie ist eben mehr als ein gewöhnlicher Sportler aufgrund ihrer persönlichen Geschichte. Man hat natürlich Sport im Fokus, aber mit ihrer Geschichte ist sie ein wichtiger Kandidat für das Refugee Team“, sagt ihr Schwimmtrainer Tobias Müller. In ihrem Buch „Butterfly“ hat die 22-Jährige ihre Erlebnisse schwarz auf weiß festgehalten und motiviert dabei andere. Manchmal, erzählt Yusra, bekommt sie Fanpost: „Das ist so süß. Da schicken Kinder Briefe und schreiben ´Ich will auch Schwimmerin werden´. Und deshalb bleibe ich immer stark für sie.“

 

Nicole Ide/Laura Rihm

 

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