Sexuelle Belästigung: Ex-Chef vom Weißen Ring freigesprochen

 

Drei Monate stand der ehemalige Lübecker Chef der Opferschutzorganisation "Weißer Ring" vor Gericht. Der Vorwurf: Er soll im April 2016 eine Frau bei einem Beratungsgespräch sexuell belästigt haben. Weitere Frauen sagten gegen ihn aus. Heute wurde Detlef H. trotz aller Anschuldigungen freigesprochen. Die Beweise waren nicht ausreichend.

 

Wie Detlef H. auf seinen Freispruch reagiert hat, sehen Sie im Video.

 

29 weitere Frauen belasteten den Angeklagten schwer

 

Eine inzwischen 41-jährige Frau hatte sich 2016 hilfesuchend an den Weißen Ring gewandt. Vor den Augen der Frau soll Detlef H. seine Hose geöffnet und seinen Penis herausgeholt haben. Außerdem habe er, laut Aussage der Betroffenen, sie aufgefordert, ihre Brüste und Geschlechtsorgane zu zeigen. Der Angeklagte bestritt die Vorwürfe. Insgesamt 29 weitere Frauen sagten vor Gericht aus, dass der 74-Jährige sie sexuell belästigt und genötigt haben soll, unter anderem auch eigene Mitarbeiterinnen. Doch nur der Fall aus dem April 2016 ist zur Verhandlung zugelassen worden. Den Freispruch begründet die Lübecker Richterin so: „Die Zeugin hat die Fähigkeit sehr überzeugend auszusagen und nicht immer die Wahrheit zu sagen. (...) Da ist es sehr schwer für ein Gericht zu unterscheiden, was ist wahr und was ist unwahr.“

 

Aussage gegen Aussage

 

Trotz des Mangels an Beweisen gäbe es laut Richterin auch Dinge, die dafür sprächen, dass die Zeugin die Wahrheit sagt. Dass der Angeklagte sich der Frau gegenüber falsch verhalten habe, läge durchaus nahe. Da es aber Aussage gegen Aussage steht und die Zeugin nicht in allen Anschuldigungen glaubhaft ist, wurde der Angeklagte freigesprochen.

 

Detlef H. soll seine Machtposition ausgenutzt haben

 

"Dieser Gedanke, dass jemand Hilfe sucht, Opfer geworden ist und dann erneut Opfer wird von jemandem, der helfen sollte - Das ist unvorstellbar und macht uns alle extrem betroffen", sagte Uwe Döring, der ehemalige Landesvorsitzende des Weißen Rings, im vergangenen Jahr, als die vermeintlichen Taten von Detlef H. öffentlich wurden. Seitdem gilt bei der Opferbetreuung ein Sechs-Augen-Prinzip: So ist bei ersten Gesprächen mit Opfern eines Sexualdeliktes seitdem immer eine dritte Person anwesend.

 

Eva Harms / Catharina Tomm

 

 

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