Serienmörderin Gesche Gottfried: Eine Frau mit zwei Gesichtern

 

Ehrenwerte Bürgerin, Giftmischerin oder "Engel von Bremen": So zwiespältig wie ihre Titel sind, so zwiespältig ist auch die Person der Gesche Margarethe Gottfried. Fast zwei Jahrzehnte lang mischte sie sogenannte Mäusebutter unter das Essen von Nachbarn, Freunden und Familie. 1828 wurde die unscheinbare Haushaltshilfe festgenommen. Bis dahin sorgte sie wohl für die bis heute aufsehenerregendste Mordserie in Bremen.

 

Fast zweihundert Jahre nach dem Tod der Bremer Serienmörderin hat es Gesche Gottfried jetzt auf die Leinwand geschafft. "Effigie - das Gift und die Stadt" heißt der Film, in dem Gesche wieder zum Leben erweckt wird. Weshalb der Stoff auch nach so langer Zeit weiter fesselt, sehen Sie im Video.

 

Die zwei Seiten Gesche Gottfrieds

 

Zu Lebzeiten galt Gesche Gottfried als ehrenwerte Bürgerin. Heimlich aber verabreichte sie aus bis heute unklaren Motiven dutzenden Menschen Gift. Diese zwei Seiten ihrer Person faszinieren den Filmemacher Udo Flohr: „Gesche Gottfried galt als Teil des Bürgertums, weil sie auch mal mit einem ehrenwerten Bürger verheiratet war, den sie dann ermordet hat. Aber sie wurde von allen dafür bemitleidet, dass sie ihre ganze Familie verloren hat." 

 

Die Tochter eines Schneidermeisters, geboren 1785, war für ihre Zeit durchaus gebildet und vor allem erweckte sie einen fürsorglichen Anschein bei Nachbarn und ihrer Familie. Sie kümmerte sich um erkrankte Personen, die sie meist selbst zuvor vergiftet hatte. Manche konnte sie retten, 15 Menschen aber starben. Dazu zählten auch ihre eigenen drei Kinder und ihr erster Ehemann. 

 

"Spuckstein" als Erinnerung 

 

Die grausige Mordserie fand erst ein Ende als Gesches Vermieter Gift in seinem Essen entdeckte. Er überlebte den Anschlag und Gesche Gottfried kam ins brandneue Gefängnis am Bremer Ostertor. Drei Jahre saß sie dort ein. Im April 1831 wurde Gesche Gottfried auf dem Domshof in Bremen hingerichtet. Es war die letzte Hinrichtung, die jemals in Bremen vollzogen wurde. Dort, wo die Serienmörderin ihr Ende fand, ist noch heute der sogenannte Spuckstein zu finden. Durch das Spucken darauf zeigen Menschen ihre Abscheu vor den Taten und der Täterin.

 

 

Parallelen zu heutigen Fällen

 

Der Fall Gesche Gottfried liegt nun gut 200 Jahre zurück, doch es gibt erschreckende Parallelen zu heutigen Fällen. Allen voran zu dem von Niels Högel. Der Krankenpfleger tötete fast 100 Menschen in Krankenhäusern in Oldenburg und Delmenhorst. Auch diese Mordserie hatte Regisseur Udo Flohr vor Augen, als er die Geschichte von Gesche realisierte. Welche Parallelen es dabei zu entdecken gibt verrät der Film „Effigie - das Gift und die Stadt“.

 

Patrick Testa-Kreitz / Lena Wendt

 

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