Psychologin erklärt: So überstehen wir die Isolation

 

Wer kann, soll wegen des Coronavirus zurzeit unbedingt zu Hause bleiben, im Home Office arbeiten und die Kinder betreuen. Die Isolation und Unsicherheit stellt viele Menschen auch psychisch vor Herausforderungen. Deshalb hat die Hamburger Diplompsychologin Kathrin Zach einige Tipps parat, wie uns jetzt nicht die Decke auf den Kopf fällt. 

 

Wie wir der Situation vielleicht sogar etwas Positives abgewinnen können, verrät die Psychologin im Video. 

 

Neue Routinen schaffen

 

Veranstaltungen werden abgesagt, Schulen, Geschäfte und Spielplätze geschlossen und zahlreiche Arbeitgeber haben die Mitarbeiter ins Home Office geschickt. Die Schutzmaßnahmen gegen eine schnelle Ausbreitung des Coronavirus sind für uns alle eine neue Situation. Gerade deswegen sei es wichtig, Routinen zu schaffen, erklärt Kathrin Zach. „Für viele Familien ist ein Rhythmus hilfreich. Man sollte also gucken, wie in dieser Ausnahmesituation ein Ablauf organisiert werden kann, in dem die Kinder wissen, zu dem Zeitpunkt ist wichtig, dass Mama und Papa auch der Arbeit nachgehen und ungestört sind.“ 

 

Die Stresssituation akzeptierten

 

Sport zu Hause auf der Matte, Kontakte digital pflegen, einander helfen, die Kinder mit in Haushaltsaufgaben einbinden – nur zusammen kann aus dem zuerst augenscheinlichen Wirrwarr ein organisiertes Miteinander werden. Manchmal fällt aber gerade dieses Miteinander schwer. Wenn wir zuhause den ganzen Tag aufeinanderhocken, sei Streit vorprogrammiert. „Gut ist, wenn man davon ausgeht, dass es eine Stresssituation für alle ist“, meint Kathrin Zach. Ein bisschen Zoff sei ganz natürlich. „Wenn man so eine Haltung hat, das kommt vor, das ist so, das darf sein, dann gelingt es, Großzügigkeit an den Tag zu legen.“

 

Bei Zoff helfen Verständnis und Abstand

 

Die zweifache Mutter rät davon ab, das Gegenüber mit Vorwürfen zu konfrontieren. Stattdessen sollten wir über die eigene Gefühlswelt sprechen. Denn in einer solchen Extremsituation hat jeder seine eigenen Bedürfnisse und die gilt es erstmal herauszufinden. 

Nicht jeder Streit muss aber sofort gelöst werden. „Manchmal ist Abstand sehr hilfreich, solange das möglich ist. Und sei es, erstmal in verschiede Räume zu gehen und dann mit Abstand drüber zu sprechen.“ 

 

Positiv bleiben

 

Noch gibt es hierzulande kein striktes Ausgangsverbot wie etwa in Italien, Frankreich oder Belgien. Gegen den Lagerkoller kann daher oft schon ein kleiner Spaziergang helfen. Frische Luft und etwas Bewegung tun dem Körper gut und heben die Stimmung. 

Und während es leicht ist, nur die negativen Seiten der Coronakrise zu sehen, bringt diese auch positive Effekte mit sich. Viele Menschen zeigen sich solidarisch. Immer mehr Bürger und Bürgerinnen bieten ihre Hilfe denen an, die sie am dringendsten benötigen, wie diese Geschichten aus dem Norden beweisen.

 

Susanne Böhm / Luisa Ziegler

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