Prozess-Neustart nach Urteils-Panne: Versuchter Mord an Rocker-Boss

 

Auf den Hamburger Hells-Angels-Boss Dariusch F. werden am 26. August 2018 fünf Schüsse abgegeben, als er mit seinem Auto an einer Ampel hält. Seitdem ist der damals 38-Jährige querschnittsgelähmt. Im vergangenen Jahr verurteilte das Hamburger Landgericht den Ex-Rocker Arasch R., ein bekennender Feind des Angeschossenen, und dessen Freundin Lisa S. zu langen Haftstrafen, unter anderem wegen Anstiftung zu versuchtem Mord. Doch das Urteil ist nicht rechtskräftig. Die Kammer hat das schriftliche Urteil einen Tag zu spät beim Bundesgerichtshof eingereicht: Ein peinlicher Formfehler, wegen dem nun das Verfahren erneut aufgerollt werden muss.

 

Warum der Formfehler des Gerichts doch von Vorteil sein könnte, sehen Sie im Video.

 

Zweiter Anlauf mit neuen und alten Angeklagten

 

Es ist einer der spektakulärsten Hamburger Kriminalfälle der letzten Jahre. Das Hamburger Landgericht muss sich von heute an erneut mit dem gescheiterten Mordkomplott beschäftigen. Heute wurde zunächst nur die Anklage verlesen. Doch angekündigt wurde auch, dass sich in der nächsten Woche der mutmaßliche Schütze mündlich auf die Anklage einlassen möchte und der ebenfalls angeklagte Vater des Ex-Rockers Arasch R. schriftlich auf die Anklage einlassen möchte. Diese Beiden wurden nach dem Ende des letzten Prozesses als mutmaßliche Mittäter ermittelt. Für den neuen Prozess hat das Gericht 14 Verhandlungstage bis zum 22. April angesetzt.

 

Rache unter Rockern: Die Hintergründe der Tat

 

Der angeklagte Arasch R. gehörte früher den mit den Hells Angels verfeindeten „Mongols“ an. 2016 werden er und seine Freundin Lisa S. überfallen. Ein bis heute unbekannter Schütze schießt mehrere Male auf ihn und seine Freundin. Beide werden schwer verletzt. Verantwortlich soll Dariusch F. sein. Ist das Attentat 2018 ein Racheakt?
Laut Anklage soll Arasch R. das Attentat gemeinsam mit seinem 73-jährigen Vater geplant haben. Er soll bereits vor den Schüssen Kontakt zu dem mutmaßlichen Schützen, dem Bulgaren Angel I., gehabt und mit ihm gemeinsam Ausschau nach dem Hells-Angels-Boss gehalten haben. Am Tattag soll Lisa S. mit dem Bulgaren unterwegs gewesen sein. Sie entdeckten Dariusch F. in einem italienischen Restaurant und verfolgten den weißen Bentley des Rocker-Bosses bis zum Millerntorplatz. Dort fielen insgesamt fünf Schüsse aus dem Beifahrerfenster.

 

Bastian Vollmer / Catharina Tomm

 

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