Prozess in Aurich: Chefarzt soll abkassiert haben

 

Bis vor vier Jahren war Dr. Hamid A. Wirbelsäulenchirurg am Klinikum Leer. Die Patienten vertrauten ihm, er war Chefarzt. Was damals niemand ahnte: Der Mediziner ließ sich offenbar dafür bezahlen, bestimmte Implantate zu benutzen. Dafür steht er jetzt vor Gericht in Aurich. Es ist der Auftakt mehrerer Prozesse in einem Medizin-Skandal. Denn Hamid A. soll auch fehlerhafte Prothesen verwendet haben. Im Körper der Patienten verrutschten oder zerbröselten sie.

Welche Folgen das für die Patienten bis heute hat, erzählt eine betroffene Frau im Video.


„Er soll mit den Firmen Vereinbarungen getroffen haben“


Es war anscheinend ein profitables Geschäft: Chefarzt Hamid A. tut sich 2010 mit einer Medizinfirma zusammen, gemeinsam entwickeln sie ein Bandscheiben-Implantat. In 46 Fällen setzt er genau dieses Implantat in die Rücken seiner Patienten ein und kassiert jeweils eine Provision, so sieht es die Anklage. Insgesamt soll der Arzt so rund 14.000 Euro kassiert haben. Auch mit einer zweiten Firma soll er Geschäfte auf Kosten der Patienten gemacht haben. „Er soll mit den Firmen Vereinbarungen getroffen haben. Gelder soll er als Gegenleistung bekommen haben für Bestellungen“, sagt Gerichtssprecher Wolfgang Gronewold.


Unter dem Deckmantel der Beratertätigkeit 


Mit dem zweiten Unternehmen hatte Hamid A. offenbar ebenfalls einen lukrativen Deal. Laut Anklage bevorzugte er die Implantate dieser Firma und bekam dafür fortlaufend Geld. In 28 Fällen soll er so insgesamt 128.000 Euro kassiert haben. Um sein Vorgehen zu verschleiern, soll der Arzt Vorträge oder Beratertätigkeiten berechnet haben. Auf den Rechnungen sollen jeweils Beträge über mehrere tausend Euro gestanden haben.


Patienten wollen Gerechtigkeit


Bislang geht es vor Gericht ausschließlich um den Vorwurf der Vorteilsannahme und Bestechlichkeit, die Wirtschaftskammer des Landgerichts Aurich ist dafür zuständig. Doch im Publikum sitzen trotzdem diejenigen, die bis heute leiden: Die ehemaligen Patienten von Hamid A. Sie erhoffen sich von diesem Verfahren vor allem Gerechtigkeit.


„Er hat gesagt, dass ich so wieder 30 Jahre arbeiten könnte“


Sandra Maschkewitz ist eine der Betroffenen. Sie erzählt, dass Hamid A. ihr eine Operation empfahl. Heute kommt die 43-Jährige im Rollstuhl zum Gericht. Sie ist eine derjenigen, die nun vor allem mit Spannung auf den nächsten Prozess schauen. Ab Frühjahr 2020 muss der ehemalige Chefarzt sich wegen Körperverletzung in 59 Fällen verantworten.


Neele Knetemann

Mag ich