Prozess gegen Mutter: Krankheit ihrer Kinder nur vorgetäuscht?

 

Maike B. war als sehr fürsorgliche Mutter bekannt. Aufopferungsvoll pflegte sie vier ihrer Kinder: Sie waren angeblich auf einen Rollstuhl angewiesen und litten offenbar an schweren Krankheiten. Für ihr Engagement wurde die 49-Jährige von vielen bewundert und geschätzt. Das Erschreckende: Maike B. soll all das nur vorgetäuscht haben.


Was ihre älteste Tochter heute vor Gericht ausgesagt hat, erzählen wir Ihnen im Video.


Diagnose aufgrund von Lügen


Durch gefälschte Dokumente und eine falsche Schilderung von Symptomen soll sie Ärzte dazu gebracht haben ihre Kinder für etwas zu behandeln, das sie nie hatten. Rheuma, Asthma oder die Glasknochenkrankheit. So mussten sie angeblich mehrere Stunden am Tag im Rollstuhl sitzen. Durch das Verhalten der Mutter sollen die jüngeren Kinder in ihrer Entwicklung erheblichen Schaden erlitten haben - körperlich und auch seelisch. Insgesamt könnte Maike B. sich damit Pflege- und Betreuungsgelder in Höhe von 140.000 Euro erschlichen haben.


Psychiaterin beobachtet Maike B. vor Gericht


Sollte all das stimmen, stellt sich die Frage: Steckt eventuell sogar eine psychische Erkrankung der Mutter hinter den Lügen? Frauen mit dem Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom beispielsweise täuschen Krankheiten ihrer Kinder vor oder verschlechtern deren gesundheitlichen Zustand sogar absichtlich, um dann ärztliche Hilfe aufzusuchen. So spritzen Täterinnen ihrem Kind zum Beispiel verschmutze Flüssigkeiten unter die Haut, fügen ihnen absichtlich Verletzungen zu oder infizieren bereits vorhandene Wunden. Das kann schlimmstenfalls sogar zum Tod des Kindes führen. Doch auch wenn das Kind die unnötigen Schmerzen übersteht, können sowohl physische als auch psychische Langzeitschäden bleiben. Frauen mit dem Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom gelten im Alltag meist als unauffällig. In der Rolle der besorgten Mutter gehen sie jedoch auf, fallen im Krankenhaus als besonders fürsorgende, aufopferungsvolle Mütter auf.


Prozess in Lübeck


Ob Maike B. an dem Syndrom leidet, ist nicht geklärt. Im Gerichtssaal sitze nun sowohl eine psychiatrische Sachverständige als auch eine Ärztin um ihre Schuldfähigkeit einzuschätzen.Das Urteil wird im Oktober erwartet.

 

Nicole Ide/ Elena Rosemeyer

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