Prozess: 75-Jährige erpresst und ermordet, als sie gefälschten Führerschein kaufen wollte?

 

Vor dem Landgericht Osnabrück müssen sich vier Tatverdächtige verantworten, die eine 75-Jährige erpresst und in Hasbergen getötet haben sollen. Das Opfer wollte bei einem der Männer wohl einen gefälschten Führerschein kaufen, doch die Angeklagten sollen mehr Geld gefordert haben, das Ursula U. nicht bezahlen konnte.

Was die Männer der 75-Jährigen angetan haben sollen, sehen Sie im Video.

 

Entführt, erpresst, beraubt

 

Unter dem Vorwand, für den gefälschten Führerschein noch eine Fahrprüfung ablegen zu müssen, sollen zwei der Angeklagten Mitte Dezember vergangenen Jahres das Opfer von Melle bei Osnabrück nach Köln gelockt haben. Schon seit Juni 2018 soll sie Kontakt zu einem der Männer, dem Angeklagten Ramazan B., gehabt haben. In Köln sollen dann zwei weitere Männer auf die Frau gewartet und sie in einer Wohnung festgehalten haben. Der Plan, so vermutet die Staatsanwaltschaft: Noch mehr Geld erpressen, als die bereits für den Führerschein gezahlten mehr als 4.000 Euro.

 

Frau soll schwere Misshandlungen durchgemacht haben

 

Bei der Befragung heute im Gerichtssaal sagt einer der Angeklagten, Enoma E., er habe nichts von der geplanten Entführung und Erpressung gewusst, ihm sei viel Geld versprochen worden: „Als ich gehört habe, ich kriege für den Job 50.000 Euro, konnte ich nicht mehr klar denken“, so der Angeklagte. Doch es soll laut Anklage den Männern nicht gelungen sein, Geld von dem späteren Opfer zu bekommen und das trotz massiver Gewalt, die drei der Männer Ursula U. angetan haben sollen. Enoma E. sagt, er sei bei der Misshandlung nicht dabei gewesen.

 

Drei Männer wegen Mordes angeklagt

 

Aus Angst, entdeckt zu werden und vermutlich weil der Erpressungsversuch erfolglos war, sollen drei der Männer die 75-Jährige dann zurück gebracht und sie schließlich in Hasbergen an einem ehemaligen Bergwerk ermordet haben. Mit den Geldkarten der Frau sollen sie rund 3.000 Euro von ihrem Konto abgehoben haben.
Der vierte Mann, der zuvor in Köln dabei war, ist wegen der Beteiligung an erpresserischem Menschenraub, besonders schwerem Raub und der versuchten besonders schweren räuberischen Erpressung angeklagt.

 

Drahtzieher schweigt zu Vorwürfen

 

Knapp drei Tage nach der Tat im Dezember 2018 wurde die Leiche von Ursula U. von Spaziergängern an einer NS-Gedenkstätte in Hasbergen gefunden, die Polizei richtete eine Mordkommission ein. Die Tatverdächtigen wurden nur wenige Tage später festgenommen. Ramazan B., der den ersten Kontakt zu Ursula U. gehabt und Enoma E. in seinen Plan, die Frau zu erpressen, eingeweiht haben soll, sagt heute nichts vor Gericht, möchte noch nicht einmal genauere Angaben zu seiner Person machen. Allerdings verhält sich der Angeklagte unruhig und wird deshalb von dem Richter ermahnt, darauf der 43-Jährige: „Entschuldigen sie, aber es geht um meinen Arsch!"

 

Jan Flemming/Mareike Baumert

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