Ohne Fische, keine Fischer: Fischfangquote in westlicher Ostsee drastisch gesenkt

 

Um 65 Prozent ist die Fischfangquote in der westlichen Ostsee gesenkt worden. Das hat die Europäische Union in Luxemburg entschieden. Die Fischbestände in der Ostsee sollen damit langfristig gesichert werden, sie sind teilweise auf einem historisch niedrigen Niveau. Naturschützern geht diese Entscheidung nicht weit genug. Fischer wie Randy Repenning fürchten um ihre Existenz.

Sehen Sie im Video, was diese Fischfangquote für Berufsfischer aus dem Norden bedeutet.


Die Fischbestände in der Ostsee sind zum Teil so niedrig wie noch nie. Jahrelange Überfischung ist einer der Hauptgründe. Das bedeutet, dass mehr Fische herausgenommen wurden als nachwachsen konnten. „Wenn man das Jahr für Jahr tut, dann schrumpft der Bestand und irgendwann ist er so klein, dass der Nachwuchs nicht mehr funktioniert“, erklärt Rainer Froese, Populationsforscher beim Geomar. Laut Froese seien wir an diesem Punkt derzeit angekommen.

So sollen die Freizeitfischer eingeschränkt werden


Auch die Europäische Union (EU) hat das erkannt und gehandelt: Die erlaubte Fischfangmenge soll drastisch reduziert werden. Beim Dorsch soll sie um 60 Prozent und beim Hering sogar um 65 Prozent gesenkt werden. Das betrifft nicht nur die Berufs-, sondern auch die Freizeitfischer. Denn sie dürfen ab nächstem Jahr nur noch fünf statt sieben Dorsche pro Tag angeln.

Berufsfischer fürchten um ihre Existenz


Für Fischer wie der 27-jährige Randy Repenning ist diese Quote existenzbedrohend: Die laufenden Kosten bleiben, die Einnahmen sinken. „Ein Kutter kostet Geld, auch wenn er Hafen liegt. Ein Schlepper, der ein Schleppnetz betreibt, hat auch noch einen Angestellten“, sagt Claus Ubl, Verein Deutscher Fischerei-Verband. Die Folge sei, dass diese Betriebe pleitegehen werden.

Experten sind sich einig: Die Fischerei steht mitten im Wandel. Weitermachen wie bisher sei auf jeden Fall keine Lösung.

Umweltschützer wollen absolutes Fangverbot


Umweltverbände fordern ein komplettes Fangverbot. Einfach weiterfischen lassen, sei die schlechteste Lösung, sagt Populationsforscher Rainer Froese. Denn: „Ohne Fische, keine Fischer“. Dies würde für Fischer Randy Repenning das Aus bedeuten. Froeses Idee: „Die Fischer sollte man anderweitig beschäftigen. Zum Beispiel Müll fischen, Geisternetze entfernen, der Forschung helfen zu verstehen, wie die Bestände sich erholen.“

 

Thomas Jell / Jasmin Bergmann

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