Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum: Wie hässlich sind deine Blätter


Sie sind krumm, schief und haben oft nicht mehr alle Nadeln dran: Die Tannenbäume von Frederik von Paepcke aus Schleswig-Holstein. Sie haben nicht unbedingt die besten Voraussetzungen für einen Weihnachtsbaum. Doch nicht so für den 35-Jährigen, denn für ihn ist genau das sein Geschäftsmodel: Er verhilft auch der hässlichsten Tanne zum Weihnachtsbaum.

 

Im Video zeigen wir Ihnen die Tannen und wie sie sich als Weihnachtsbaum machen.

 

Nachhaltige Absichten hinter den krummen Ästen

 

Denn Frederik von Paepcke rettet seine versteckten Schönheiten vor dem Müll. Er wünscht sich, dass Abfallprodukte sinnvoller genutzt werden. Was wir von krummen Gurken und Karotten kennen, zählt nämlich auch für die Tannenbäume: Entsprechen sie nicht der Norm, dann werden sie beseitigt. „Mich hat immer schon ein bisschen gestört, dass Bäume teilweise keinen Markt haben und dass das irgendwie eine Verschwendung ist – unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten macht das einfach Sinn“, sagt Frederik von Paepcke. Und so schafft er kurzer Hand selbst den für ihn fehlenden Markt für hässliche Weihnachtsbäume. „Durch Humor kann man Aufmerksamkeit erregen für ein wichtiges Thema – in dem Fall: Klimaschutz und Ressourcennutzung“, sagt er.

 

Tannen verkaufen, die sonst keiner haben möchte

 

Seit 2018 verfolgt Frederik von Paepcke schon seine Idee. Gemeinsam mit seinen drei Mitarbeitern sucht der ehemalige Jurastudent die hässlichen Tannenbäume zusammen. Sie wachsen vereinzelt zwischen den begehrenswerten Exemplaren auf den Feldern der Baumverkäufer. Die Tannen werden über den Onlineshop verkauft. So kann der Kunde bequem von zu Hause aus seinen ganz eigenen skurrilen Weihnachtsbaum bestellen. Danach geht’s ihnen an den Kragen: Abgesägt werden die Bäumchen von Frederik von Paepcke und seinem Team eigenhändig in Kartons verpackt und verschickt.

 

Und was kostet die gute Tanne?

 

Dieses Jahr verschicken sie Tannen von 20 bis 250 Zentimetern. Die Kleinen unter 50 Zentimetern kosten 19,50 Euro, die Größeren kosten bis zu 50 Euro. Wie wüst die Tannen aussehen, spielt preislich keine Rolle – allein die Größe zählt. Fünf Euro günstiger wird’s, wenn der Kunde auf ein Foto der versteckten Schönheiten verzichtet. Denn bei den Blindkäufen entsteht weniger Arbeit, wie der 35-Jährige sagt: „70 bis 80 Prozent aller Käufer entscheiden sich aber für den Benannten, weil sie entweder den Namen wissen oder wenigstens ihren Baum vorher doch mal gesehen haben wollen.“ Wer sich für einen hässlichen Weihnachtsbaum entscheidet, der rettet diesen nicht nur vor dem Müll und tut der Umwelt etwas Gutes.

 

Ein neuer Baum wird gepflanzt

 

Denn für jede verkaufte Tanne wird gemeinsam mit „Plant for the Planet“ ein neuer Baum gepflanzt. 400 Tannen hat Frederik von Paepcke dieses Jahr bereits verkauft. Aber für ihn zählt jede seiner versteckten Schönheiten. „Überleg dir, du hast 20 Weihnachten und einmal so ein Tännchen, an welches Weihnachten erinnerst du dich am meisten?“

 

Jasmin Bergmann / Anne Rauschenberger

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