Neun Corona-Infizierte auf Kreuzfahrtschiff: So läuft jetzt die Abreise

 

Seit dem 28. April liegt in Cuxhaven die „Mein Schiff 3“ vor Anker. Auf ihr warten rund 2.900 Besatzungsmitglieder aus ca. 60 Nationen der gesamten TUI Cruise-Flotte auf die Ausreise in ihre Heimatländer. Doch die stellt die Bundespolizei vor große Probleme, nicht nur weil an Bord neun Crewmitglieder positiv auf eine COVID-19 Infektion getestet wurden.

 

Infizierte wurden zunächst in ihren Kabinen isoliert

 

Bereits am 30. April wurde bei einem Crewmitglied das Coronavirus nachgewiesen, die Person liegt isoliert in der Helios Klinik Cuxhaven und zeigt laut TUI-Cruises-Sprecherin Godja Sönnichsen keine Symptome. Auch die anderen acht Mitglieder, deren Erkrankung mittlerweile bekannt ist, würden keine Symptome haben. Sie werden im Laufe jetzt auf eine Quarantänestation des AMEOS Klinikums Seepark Geestland gebracht, so das Unternehmen.

 

Alle anderen Crewmitglieder sollen schnell nach Hause

 

Die negativ getesteten Crewmitglieder können theoretisch nun ausreisen, allerdings gibt es auch dort Hürden, wie Holger Jureczko von der Bundespolizeiinspektion Bremen erklärt. Die Bundespolizei kümmert sich um die reibungslose Abreise der Besatzung. Alle Crewmitglieder, die nicht aus der EU kommen, brauchen ein Visum, auch für die Überfahrt zum Flughafen. Das Erstellen eines Visums dauere aber pro Person rund 45 Minuten, so der Bundespolizeisprecher: „Das sprengt alle Dimensionen, die wir sonst haben.“ Die Bundespolizei habe deshalb speziell für dieses Schiff ein Sammelverfahren für Passierscheine erteilt. Das bedeutet: Es werden beim Verlassen des Schiffes zwar alle Crewmitglieder überprüft, danach gehe es aber direkt in die Busse zu den Flughäfen: „Alle Beteiligten, der Landkreis, das Gesundheitsamt, Hafenärztliche Dienste, Bundespolizei und TUI, sind ständig in Kontakt, um diese Logistik zu gewährleisten.“

 

Meuterei auf dem Schiff?

 

Zuletzt gab es Meldungen, auf dem Schiff sei die Stimmung gekippt, Mobiliar sei zerschlagen worden. „Es bestand allgemeine Verunsicherung an Bord, wegen der Erkrankten. Die gehen aber jetzt von Bord. Das entspannt auch die allgemeine mentale Situation“, so Holger Jureczko. Es sind bereits für rund 1.200 Crewmitglieder Flüge in die Ukraine, Indonesien, Tunesien, die Türkei und Mauritius gebucht. Die Infizierten bleiben im Krankenhaus, bis sie vollständig genesen sind. Dann werden sie wieder der Bundespolizei gemeldet „und dann wird entschieden, können sie in ihr Heimatland reisen oder gehen sie zurück an Bord“, erklärt Holger Jureczko. Wann weitere Besatzungsmitglieder von Bord dürfen, ist noch unklar. Laut TUI-Cruise gibt es für sie an Bord eine Betreuung durch Seelsorger und es wurden freien Internetkapazitäten organisiert, damit die Menschen mit ihrer Heimat in Kontakt bleiben können. Godja Sönnichsen: „Im Großen und Ganzen ist die Situation an Bord ruhig.“

 

Carmen Gocht/Mareike Baumert

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