Gut bezahlte Jobs sind rar in Schleswig-Holstein

 

In keinem westdeutschen Bundesland verdienen Beschäftigte so wenig wie in Schleswig-Holstein – und die Gehälter entfernten sich immer weiter vom Bundesschnitt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW).


Schlechte Bezahlung trotz wachsender Wirtschaft


Wer denkt, dass es deshalb um die Konjunktur in Schleswig-Holstein grundsätzlich schlecht steht, der irrt! Zwischen 2010 und 2018 wuchs die Wirtschaft des Landes pro Jahr um 1,7 Prozent. Die Zahl der Arbeitslosen verzeichnete im vergangenen Jahr sogar ein Rekordtief seit der deutschen Einheit. Das Problem: Am Ende bleibt den Arbeitnehmern nicht mehr so viel Geld wie früher. Zu Beginn der 90er-Jahre lag die Bezahlung laut Studie noch etwa im Bundesdurchschnitt, doch 2018 lag das mittlere Bruttogehalt des Schleswig-Holsteiners mit 38.000 Euro im Jahr rund 12 Prozent darunter.


Woran liegt das Schrumpfen der Löhne im nördlichsten Bundesland?

Die Autoren der Studie begründen die schwachen Löhne mit einem Strukturwandel in Schleswig-Holstein: Es gäbe viel mehr Jobs im Dienstleistungssektor als im Industrie-Sektor. Die seien grundsätzlich schlechter bezahlt. Hinzu kommt: Immer mehr Menschen arbeiten in Schleswig-Holstein nur auf Teilzeitbasis, aktuell beträgt die Quote 31 Prozent.


Schleswig-Holstein kein attraktiver Standort für die neue Wirtschaft?

Laut den IfW-Untersuchungen gibt es in Schleswig-Holstein vergleichsweise nur wenige Start-Ups und internationale Patentanmeldungen, auch die Ausgaben für Forschung und Entwicklung sind unterdurchschnittlich. Insgesamt eine Entwicklung, die die schleswig-holsteinische Landesregierung bis 2022 deutlich umkehren will, denn bis dahin soll die Zahl der Industriearbeitsplätze wieder steigen. Technologien in Medizin und Militärtechnik sowie lukrative Aufträge für Werften sind die wirtschaftlichen Hoffnungsschimmer des Landes.


Wie sieht es im benachbarten Hamburg aus?


Zum Vergleich: In den Jahren von 2010 bis 2018 wuchs die Wirtschaft Hamburgs jährlich um 1,5 Prozent, also etwas weniger als in Schleswig-Holstein. Doch mit einem durchschnittlichen Brutto-Jahresgehalt von 50.000 Euro liegt Hamburg weit über dem Bundesdurchschnitt. „Zudem profitiert der Standort wirtschaftlich von den Vorteilen einer Metropole, die hochwertige Dienstleistungen anzieht und weniger stark auf industrielle Strukturen angewiesen ist“, erklärt Klaus Schrader, Mit-Autor der Studie.


Lorraine McIlvenny

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