Nach Lügde: 49-Jähriger wegen schweren sexuellen Missbrauchs vor Gericht

 

Es sind Taten, mit deren Folgen fünf Mädchen, im Alter von 6 und 13-Jahren, noch heute zu kämpfen haben, denn sie alle sollen sexuell missbraucht worden sein. Der Beschuldigte, ein 49-jähriger Mann aus dem Landkreis Northeim, muss sich heute vor dem Landgericht Göttingen dazu verantworten. Fahnder hatten ihn im Zuge der Ermittlungen zum hundertfachen Kindesmissbrauch auf einem Campingplatz im nordrhein-westfälischen Lügde festgenommen.

 

Der Weg auf die Anklagebank

 

Bereits im März sollen Fahnder 43 Datenträger bei einer Hausdurchsuchung bei dem 49-jährigen Beschuldigten sichergestellt haben. Auf diesen sollen sich Videos und Bilder befunden haben, die den Verdacht des mehrfachen Kindesmissbrauchs gegen den heute Angeklagten erhärteten. Zudem wurden die betroffenen Kinder von speziell geschultem Personal befragt, wodurch sich weitere Anhaltspunkte ergaben, die auf regelmäßig stattgefundene sexuelle Übergriffe hindeuteten.

 

Unter diesen schweren Vorwürfen sitzt der 49-Jährige nun auf der Anklagebank des Landgericht Göttingen. „Die Staatsanwaltschaft legt dem Angeklagten den 18-fachen sexuellen Missbrauch von Kindern sowie darüber hinaus den 10-fachen schweren sexuellen Missbrauch zur Last. Er soll im Einzelnen mehrere Kinder, eine ganze Anzahl von Kindern, sowohl leibliche als auch nicht leibliche Kinder über einen langen Zeitraum, wir reden hier von zwei Jahren, sexuell missbraucht haben“, erläuterte Staatsanwalt Andreas Buick im RTL-Interview.

 

„Es geht nicht nur den betroffenen Kindern in dem Verfahren schlecht“

 

Zum Schutz der Opfer ließ die Kammer die Öffentlichkeit vom heutigen Prozess ausschließen. Denn heute werden vor Gericht Dinge verhandelt, die den intimsten Lebensbereich betreffen, nicht nur des Angeklagten, sondern vor allem auch den der fünf kleinen Mädchen, so Buick. Auch der Nebenklagevertreter Steffen Hörning sieht darin einen wichtigen Schritt. Er vertritt während des Prozesses zwei der Opfer und weiß: „Es geht nicht nur den betroffenen Kindern in dem Fall, in dem Verfahren schlecht, sondern den gesamten Familien. Also die Familien stehen seit Beginn der Ermittlungen, seitdem bekanntgeworden ist, zu welchen Übergriffen es zum Nachteil ihrer Kinder gekommen sein soll, sehr schlecht. Teilweise sind engmaschige psychotherapeutische Behandlungen bereits erforderlich geworden, die natürlich nicht den Fall, die Übergriffe, an sich aufarbeiten können, sondern nur erstmal zur Krisenbewältigung dienen und zur Stabilisierung, damit man einigermaßen schadlos durch dieses Verfahren kommt.“

 

Zwar bedeute der Prozessauftakt endlich einen Schritt Richtung Aufarbeitung, doch zunächst komme auf die Opfer und ihre Familien eine harte Zeit zu, so Hörning. Er geht derzeit davon aus, dass alle betroffenen Kinder vor Gericht aussagen müssen. „Deswegen sind wir im engen Austausch, versuchen die betroffenen Kinder entsprechend vorzubereiten und natürlich auch gegebenenfalls Anträge vorzubereiten, damit sie nicht in Anwesenheit des Angeklagten aussagen müssen für den Fall, dass das erforderlich werden sollte“, erklärte Hörning.

 

Pädophilenring entdeckt?

 

Bei dem Angeklagten soll es sich um einen Bekannten des bereits verurteilten Lügde-Haupttäters Andreas V. handeln, so Buick. Gemeinsam mit einem weiteren Mann hatte V. 32 Kinder über Jahre hinweg auf einem Campingplatz an der Landesgrenze von Nordrhein-Westfalen zu Niedersachsen sexuell schwer missbraucht. Unter den Opfern war auch die Pflegetochter von Andreas V.. Anders als V. soll der heute 49-jährige Angeklagte sich jedoch nicht auf dem Campingplatz, sondern an einem Tatort in einer Ortschaft im Landkreis Northeim an den Kindern vergangen haben.

 

Der bereits verurteile Andreas V. könnte somit eine bedeutende Rolle als Zeuge einnehmen, so Nebenklagevertreter Steffen Hörning. Nächste Woche Mittwoch soll dieser als Zeuge vor Gericht aussagen. Darüber hinaus schließt die Staatsanwaltschaft nicht aus, dass der Prozess gegebenenfalls Hinweise auf weitere Pädophile ergibt. Insgesamt sind derzeit zehn Verhandlungstage bis Ende Oktober angesetzt.

 

Jenny Richter / Lena Wendt

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