Medizin studieren in Hamburg ohne Numerus Clausus möglich – für bis zu 170.000€


Der Traumjob Arzt scheitert für viele junge Menschen bereits vor dem Studienbeginn. Denn derzeit liegt die Zulassungshürde Nummerus Clausus für die heiß begehrten Plätze in Hamburg bei 1,0! Für Menschen, die keine Überflieger in der Schule waren, gibt es nun aber trotzdem eine Möglichkeit Arzt oder Ärztin zu werden: Denn zwei Hochschulen in Hamburg verlangen keine Musterschüler-Noten, dafür aber jede Menge Kohle!

Im Video erzählen drei Medizinstudenten, warum sie bereit sind diesen hohen Preis zu zahlen und wie sie die enorm hohen Hochschulkosten stemmen.

UMCH - Zweigstelle einer rumänischen Universität


Die Hochschule UMCH bietet den Studiengang ohne NC an und ist eine Zweigstelle der rumänischen Universität Neumarkt. Der Unterricht findet auf Englisch statt. Kostenpunkt: fast 170.000€.
Nach ihrem Abschluss erhalten die Studenten eine rumänische Approbation, also ihre Zulassung als Arzt. Die können sie sich entweder in Deutschland anerkennen lassen oder eine Deutsche beantragen.

 

Medical School Hamburg (MSH)


In der Hafencity bietet die Medical School Hamburg, kurz MSH, ebenfalls zum ersten Mal ein Medizinstudium an. Hier erhalten die Studenten nach erfolgreichem Abschluss eine deutsche Approbation. Die Zulassung durch den deutschen Wissenschaftsrat für die MSH hat 7 Jahre gedauert. Auch hier soll der Notendurchschnitt keine Rolle spielen. Das Studium kostet circa 100.000 Euro.
Trotz der hohen Kosten haben beide Unis viele Bewerber. Eine davon ist Tabea, die unbedingt Ärztin werden möchte.

 

Tabeas Traumjob: Ärztin!


„Ich habe meine Leidenschaft gefunden.“ Denn für Tabea ist schon lange klar: Sie möchte Medizin studieren. Doch ihre Noten sind nicht gut genug. Die 23-Jährige rutscht an Universitäten ständig auf die Wartelisten oder bekommt Absagen. Also muss es über Umwege klappen. Nach dem Abitur geht sie als Erste Hilfe-Ausbilderin zum Bundesfreiwilligendienst, sammelt Qualifikationen und Wartesemester an. Doch noch immer trudeln die Absagen ein. Keine Universität – egal ob privat oder staatlich – lässt sie zum Medizinstudium zu.

Trotz medizinischer Ausbildung kein Studienplatz


„Am Anfang hatte ich noch Hoffnung. Ich dachte, ein bisschen warten und dann klappt das schon, besonders wenn man schon beim Bundesfreiwilligendienst war.“ Aber sie musste relativ schnell feststellen, dass es doch nicht so einfach ist. Also macht Tabea ein Jahr lang unzählige Praktika in verschiedenen Medizinbereichen. Dann folgt die Ausbildung zur Operationstechnischen Assistentin, zur OP-Schwester.

Dann klappt’s endlich – im Tausch gegen Geld


Jetzt steht sie hier, in der Universitätsmedizin Neumarkt A. M. Campus Hamburg (UMCH) und darf endlich Medizin studieren. Sie hat es geschafft. Tabea ist eine von 150 Studierenden, die auch ohne 1,0 Abitur ein Medizinstudium beginnen darf. Der Unterricht findet auf Englisch statt. Die UMCH ist eine Zweigstelle einer rumänischen Universität.
Doch das NC-freie Studium hat seinen Preis: 170.000 Euro muss die 23-Jährige dafür bezahlen. Nach ihrem Abschluss erhält sie die rumänische Approbation, also ihre Zulassung als Ärztin. Die kann sie sich entweder in Deutschland anerkennen lassen. Oder sie beantragt eine Deutsche.

Für viele ist es der letzte Weg zum Medizinstudium


Auch der 26-jährige Justus wartet schon lange darauf, dass er Medizin studieren darf. Und jetzt ist es endlich soweit: Er bekommt einen von 150 Plätzen an der Medical School Hamburg (MSH) – seine Noten sind zweitrangig. Stattdessen werden die Bewerber naturwissenschaftlich getestet, eine Fallsimulation. Außerdem werden sie einzeln interviewt. Im Gegenzug kassiert die Hochschule circa 100.000 Euro. Geld, das viele bereit sind, für ihren Traumjob zu bezahlen. „Das ist für mich einfach nochmal ne riesen Chance, wahrscheinlich auch die letzte oder einzige Chance diesen Studiengang zu erlangen“, sagt Justus.


Sieben Jahre lang musste die MSH warten, bis sie für ein NC-freies Medizinstudium die Zulassung durch den deutschen Wissenschaftsrat erhielt. Anders als an der UMCH, erhalten die Studierenden hier direkt eine deutsche Approbation.

Wieso wird überhaupt ein NC-freies Medizinstudium angeboten?


„Es beleuchtet letztendlich die Schulische Karriere von jungen Leuten, die mehr oder weniger glücklich oder unglücklich gelaufen ist und die dann einen jungen Menschen das ganze Leben lang behindert“, sagt Ilona Renken-Olthoff von der MSH. Denn als Arzt kommt es auf so viel mehr an als auf gute Noten. Empathie anderen Menschen gegenüber zum Beispiel. Und die wird im regulären Verfahren oft vernachlässigt. „Das Persönliche, die soziale Kompetenz, was bei einem Arztbesuch sehr wichtig ist, geht oft verloren“, findet Katharina, Studentin an der MSH.

Auch die staatlichen Universitäten ändern ihr Konzept


Das erkennen nun auch die staatlichen Universitäten und wollen ihr NC-Verfahren ändern. Nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes sollen andere Kriterien stärker gewichtet werden als bisher. Weiterhin sollen 30 Prozent der Bewerber nach ihren Abiturnoten ausgewählt werden, eine Bestenauslese also, erklärt Katharina Fegebank, Politikerin der Partei Bündnis 90/Die Grünen und zweite Bürgermeisterin von Hamburg. „Zehn Prozent werden ausgewählt aufgrund hochschulnotenunabhängiger Kriterien und 60 Prozent werden ausgewählt aus einem Kriterienmix aus Note aber auch sozialen Komponenten."


Wer in Hamburg also Medizin studieren will, braucht aktuell entweder perfekte Noten oder viel Geld.

 

Elena Rosemeyer / Jasmin Bergmann

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