Magischen Moment festgehalten: Wichtiger Preis für Bremer Fotografin

 

Der World Press Photo Award ist einer der renommiertesten Preise für Fotografen. Einmal bei dem Wettbewerb zu siegen, war der große Traum von Esther Horvath. Nun ist er Wirklichkeit geworden: In der Kategorie „Umwelt/Einzelbild“ zeichnete die Jury ein ganz besonderes Bild der gebürtigen Ungarin aus. Es zeigt zwei Eisbären, die dem Bremerhavener Forschungsschiff „Polarstern“ ungewöhnlich nahe kamen.

 

Was Esther Horvath zum Siegerbild sagt und welche tollen Fotos sie noch in der Arktis machte, sehen Sie im Video.

 

Von New York über Bremen ins ewige Eis

 

Esther Horvath ist leidenschaftliche Fotografin, die ihr Hobby zum Beruf machte und sich in einer der größten Städte der Welt beweisen wollte: In New York! Dort arbeitete sie unter anderem für die berühmte Zeitung „New York Times“. Eine Reportage über Polarforscher der US-Küstenwache öffnete ihr die Augen. „Während dieser Reise habe ich mich tief in diese Umgebung verliebt“, sagt uns die 41-Jährige im Videointerview. „Da habe ich mich dazu entschieden, meine Arbeit dieser zerbrechlichen Natur zu widmen.“ Inzwischen arbeitet Esther Horvath für das Alfred-Wegener-Institut (AWI) in Bremerhaven und lebt an der Weser.

 

Größte Arktis-Expedition der Welt

 

Das Engagement kam rechtzeitig zur Teilnahme an etwas ganz Großem: Im September 2019 startete der Forschungs-Eisbrecher „Polarstern“ zur weltweit bislang umfangreichsten Arktis-Expedition. Von Tromsø in Norwegen aus ging es bis zur Packeis-Grenze. Schiff und Crew ließen sich absichtlich einfrieren, um ein Jahr lang mit dem Eis zu treiben und wichtige Erkenntnisse für die Klimaforschung zu sammeln. Esther Horvath durfte den ersten Abschnitt der Expedition mit ihrer Kamera begleiten. Bei wochenlanger Dunkelheit sammelte sie beeindruckende Motive der kargen Natur und den Menschen, die darin zurechtkommen müssen.

 

Einmaliger Moment

 

An die Geschichte ihres nun prämierten Fotos erinnert sich Esther Horvath natürlich noch ganz genau: „Das Bild entstand relativ am Anfang der Expedition. Wir waren mit dem Essen fertig und ich wollte noch ein paar Fotos an Deck machen.“ Draußen entdeckten dann sie und einige andere Forscher plötzlich zwei Eisbären. Ein Mutter und ihr Jungtier wagen sich nah an das Schiff heran und nehmen zwei Fahnen unter die Lupe, die die Menschen zuvor dort aufgestellt hatten. „Ich hatte gehofft, so etwas fotografieren zu können. Aber das kann man vorher nie wissen. In dem Moment, als ich das Bild gemacht hab, habe ich gespürt, dass das etwas Einzigartiges ist.“

 

Rückkehr ins Eis ungewiss

 

Esther ist inzwischen wieder zurück in Bremen. Die Auszeichnung weckt nun natürlich Erinnerungen an die letzte Reise in die Eiswüste. Ob und wann sie nochmal zurück auf die „Polarstern“ kann, ist derzeit völlig offen. Das Corona-Virus macht jegliche Planungen unmöglich. Doch ihre Erfahrung mit Expeditionen macht es Esther leichter als manch anderem, mit dieser Situation umzugehen: „Auf so einer Reise kann man vielleicht den nächsten Tag noch planen, mehr aber nicht. Es hängt stark vom Wetter ab.“ Ungewissheit sei also völlig normal für sie. Sie habe es oft erlebt, dass sie später zurückgekommen sei oder auch mal irgendwo hängen geblieben ist. „Das sind Situationen, die ich nicht ändern kann. Aber ich kann versuchen, die Tage positiv anzugehen.“ Und trotzdem: Die Sehnsucht nach Kälte und Dunkelheit ist bei Esther Horvath unverändert groß.

 

Patrick Testa-Kreitz

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