Mädchen misshandelt und missbraucht: Prozess gegen Pädagogenpaar aus Gifhorn startet

 

Die Opfer waren zwischen sechs und 16 Jahren alt. Die Mädchen sollen von dem Angeklagten Johannes W. zwischen 1998 und 2007 in elf Fällen sexuell missbraucht, in vier Fällen misshandelt worden sein. Auch seiner Frau Maike W. wird Misshandlung in fünf Fällen vorgeworfen, vor allem, weil sie bei den Taten ihres Mannes nicht eingeschritten sein soll. Jetzt müssen sich die beiden Pädagogen vor dem Landgericht Hildesheim verantworten.

 

Tatort Wohngruppe

 

Die Opfer lebten bei dem Paar, weil sie Hilfe brauchten. Manche von ihnen hatten in der Vergangenheit Traumatisches erlebt. In der Einrichtung des Gifhorner Ehepaars wurden sie aber offenbar nicht nur betreut, sondern auch gequält.

Im Video spricht der Anwalt eines der Opfer. 

 

Erzieher lebte wohl Fetisch aus

 

Im Gerichtssaal werden beim Prozessauftakt erstmals Details der Misshandlungen öffentlich. Und die zeigen, dass die Mädchen wohl Schreckliches durchgemacht haben müssen. Ein Kind soll in einen Hundekäfig gesperrt worden sein. Staatsanwältin Christina Pannek beschreibt außerdem eine weitere Tat, bei der der Angeklagte einem Mädchen zehn Windeln angezogen und diese mit Paketband befestigt haben soll: „Sie musste die Windeln bis zu einer Woche tragen, was ihr erhebliche Schmerzen zufügte und sie erniedrigte“. Das Tragen von Windeln soll auch Johannes W. sexuell erregt haben.

 

Ehefrau schaute zu 

 

Der 56-jährige Angeklagte ist Erzieher, seine mitangeklagte Ehefrau Sozialpädagogin. Maike W. soll mitbekommen haben, dass ihr Mann das Mädchen zwang, tagelang Windeln zu tragen, doch nichts dagegen gemacht haben. Gemeinsam betrieb das Ehepaar rund 25 Jahre die Wohngruppe in Gifhorn, in der die Kinder Tag und Nacht verbrachten. Erst nachdem eine ehemalige Bewohnerin im Januar die Pädagogen anzeigte, wurde die Einrichtung geschlossen. Ähnliche Taten nach 2007 sind bisher nicht bekannt.

 

Prozess teilweise unter Ausschluss der Öffentlichkeit

 

Nach ihrer Festnahme im März schwiegen die Angeklagten zunächst zu den Vorwürfen, beim Prozessauftakt sollte sich das ändern. Weil Johannes W. und Maike W. über ihre Intimsphäre berichten sollten, wurde für ihre Befragung die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Der Prozess wird sich wohl noch bis in den Dezember ziehen. 

 

Charlott Gawlik/Mareike Baumert

 

 

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