AfD-Mitgründer Lucke will wieder an Hamburger Uni lehren, Studenten werden handgreiflich

 

Heute nach fünf Jahren kehrte der ehemalige AfD-Politiker Bernd Lucke zurück an seinen Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre an der Universität in Hamburg. Doch seine erste Vorlesung zum Semesterstart verlief alles andere als reibungslos. Die vom AStA, der allgemeine Studierendenausschuss, zuvor angekündigte Protestaktion „Lucke lahm legen“ eskalierte so sehr, dass die Vorlesung abgebrochen werden musste und Lucke unter Polizeischutz den Saal verließ.

 

Die Eskalation im Hörsaal sehen Sie im Video.

 

Studenten brüllten „Nazis raus!“

 

Für die Teilnehmer der Vorlesung erschien eine Teilnahme nahezu unmöglich. Die Protestierenden stürmten den Hörsaal und brüllten Parolen wie „Nazis raus“. Bernd Lucke blieb standhaft und verließ vorerst nicht das Rednerpult. Eine Studentin klappte seinen Laptop zusammen, andere stiegen auf die Tische und beschimpften ihn lautstark. Doch die Situation eskalierte als einige Studenten handgreiflich wurden und ihn das Mikrofon abnahmen. Als er sich dann ins Plenum setze, bewarfen ihn weitere mit Papierkügelchen und versuchten ihn von der Bank zu drängen.  Dabei war der Protest, seitens des AStA, zuvor als ein friedlicher ausgeschrieben wurden.

 

Lucke distanzierte sich klar von der AfD

 

2013 beteiligte sich der Professor an der Gründung der Alternative für Deutschland, ließ sich von der Universität beurlauben und wurde in das Europäische Parlament gewählt. Doch nachdem er 2015 abgewählt wurde, stieg er aus und gründete daraufhin die Liberal-Konservativen Reformer, dessen Erfolg den Bundestagswahlergebnissen zu entnehmen bisher nicht einschlug. Dass Lucke sich ungerecht behandelt fühlte, betonte er auch nach dem Abbruch: „Ich habe das als beschämend empfunden, für eine Exzellenzuniversität, dass ein Professor dort anderthalb Stunden lang niedergebrüllt wird und als Nazischwein beschimpft wird. Ich meine was für Methoden sind das eigentlich, die da eingesetzt werden und wer hat sich sonst solcher Methoden bedient. Ich habe mich immer, seitdem ich aus der AfD ausgetreten bin von ihr distanziert.“ Die Vorwürfe des AStAs rechtsradikale Strömungen der AfD in Kauf genommen zu haben, um seinen persönlichen Erfolg voranzutreiben, weist er zurück: „Die Leute, die den Erfolg haben wollten, die sitzen jetzt im Bundestag. Ich habe gekämpft gegen die rechtsextremen Bestimmungen und bin unterlegen.“

 

AStA wünscht sich Verantwortung von Lucke

 

Nach dem AStA sorgt seine Rückkehr nicht nur in der Studierendenschaft, sondern auch über die Grenzen des Campus hinweg für Unmut. Die vom AStA angemeldete Kundgebung am Tag seiner Wiederantrittsvorlesung soll eine Einladung an alle sein, diesen Unmut zum Ausdruck zu bringen. Nach ihnen soll Bernd Lucke sich besinnen und nicht mit der nächsten Partei weitermachen, die auch sehr konservativ und wirtschaftsliberal ausgerichtet ist. Er hätte nicht austreten sollen und eher innerhalb der AfD versuchen sollen von seiner Rechtsradikalität abzurücken und den Schaden zu begrenzen.  Ein Mitspracherecht, wer an der Universität lehren darf und wer nicht, besitzen sie nicht. Darüber entscheidet das Präsidium einer Universität. In solchen Berufungskomissionen sind auch studentische Vertreter involviert, die dann zusammen mit Vertretern der Universität über die wissenschaftliche Eignung einer Person entscheiden. Die Entscheidung, ob ein Professor nach einer Beurlaubung zurückkehrt liegt bei der Universität selbst. Beamtenrechtlich liegen derzeit keine Gründe gegen eine Lehre des Professors Lucke vor.  Von den Vorgängen im Hörsaal selbst distanziert sich die Studentenschaft. Laut ihnen war nur von einer friedlichen Protestaktion die Rede.

 

Omas gegen Rechts waren auch dabei

 

Als Unterstützung war auch die Bewegung „Omas gegen rechts“ vor Ort.  Sie wollen nicht, dass ihre Enkel von so einem Menschen unterrichtet werden: „Ich denke sein Gedankengut ist nicht unbedingt ein demokratisches und meine Generation hat noch Lehrer gehabt, die vom Faschismus geprägt waren, dagegen ist die 68er- oder 78er- Generation angegangen und jetzt habe ich das Gefühl wir machen eine Rolle rückwärts und es trifft jetzt unsere Enkel und das regt uns richtig auf.“ Mitglied der Omas gegen Rechts-Bewegung Dörthe Schnell.

 

Differenzierung sei an dieser Stelle besonders wichtig

 

Prof. Dr. Wilhelm Knelangen aus dem Fachbereich der Politikwissenschaft der Universität Kiel betont in diesem Zusammenhang, dass zwischen der Mitbegründung der AfD und der Entwicklung der Partei stark zu unterscheiden sei: „Ich glaube Lucke hat letztendlich Geister gerufen, die er nicht mehr losgeworden ist. Durch seinen rechtspopulistischen Kurs oder seinen eurokritischen Kurs hat er natürlich auch Leute eingeladen sich in der Politik zu äußern, Position zu beziehen, die es vorher eigentlich so im Spektrum kaum gegeben hat.“ Somit eröffnete Lucke Räume für Personen, die nicht seine Position haben, aber die Partei sehr stark nach rechts entwickelten.

Eines wird durch die heutigen Ausschreitungen nochmal sehr deutlich: Die Rückkehr von Professur Lucke bietet eine breite Angriffsfläche. Ob und wie sich die Situation um seinen Lehrstuhl an der Universität Hamburg entwickelt, wird sich in den kommenden Wochen zeigen.

 

Melissa Körner

 

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