Ausgezeichneter Kurzfilm


In dem bundesweiten studentischen Wettbewerb der Deutschen Initiative für Netzwerkinformation (DINI) „Study Fiction  – Videoclips zur Zukunft von Studium und Lehre“ gibt es zwei Preisträger: Die Macher von "Fairloren" und von "(Gem)einsam studieren" teilen sich das Preisgeld von 5.000 €. Die Jury hat zwei inhaltlich und ästhetisch sehr unterschiedliche Videoclips für den Preis ausgewählt, die sich beide kritisch mit der Zukunft des Studiums und der Studierenden auseinandersetzen.

Der Film "Fairloren", denen wir hier zeigen, ist eine Vision über das Studium von morgen. Heute erkennbare Trends der digitalen Informationsvermittlung münden in einem immer stärker individualisierten Studium. Neue Technologien erlauben die völlig bedarfsangepasste Gestaltung des Studiums und eine ausschließlich auf einen zukünftigen Beruf ausgerichtete Ausbildung. Umfassende humanistische Bildung war gestern – konzentrierte, individualisierte aber auch kommerzialisierte Fachausbildung ist die Zukunft.

 

Laudatio zur Verleihung des Preises  an den Wettbewerbs-Beitrag „FAIRloren“ eingereicht von Jasper Feine, Flemming Pohl und Paul Wilke -  Studierende an dem Karlsruher Institut für Technologie 
Laudatio von Jurymitglied Thomas Schwabe, Student an der Universität Augsburg


Die zum studentischen Videowettbewerb „Study Fiction“ eingereichten Beiträge waren stilistisch sehr vielfältig: Es sind darunter Filme zu finden, die sich ambitioniert rein visuell mit dem Thema „Zukunft von Studium und Lehre“ auseinandersetzen, Filme, die eine fiktionale Handlung wiedergeben, aber auch Beiträge, die sich stark an Interview- und Imagefilmen sowie Nachrichtensendungen orientieren. In dem speziellen Fall des Preisträgers „FAIR-loren“ handelt es sich um die fiktionale und ironische Form einer inszenierten Nachrichtensendung, die sich mit einem zukunftsrelevanten und politisch brisanten Thema auseinandersetzt. Dies hat die Jury überzeugt, auch wenn für diese Erkenntnis eine eingehendere Betrachtung des Films nötig ist.

Allein das Erscheinungsbild der Nachrichtensendung lässt schmunzeln, da die Geschmacklosigkeit mancher echten News-Shows übersteigert dargestellt wird. Trash durch Trash zu persiflieren wirkt im ersten Moment etwas oberflächlich, aber hier steckt ein ernstzunehmender Ansatz dahinter.


Die Filmemacher setzten sich auf interessante Art und Weise mit dem Thema der Privatisierung des Bildungssektors auseinander und werfen dabei mehrere auch provokative Fragen auf: Ist zukünftig eine hohe Qualität der Ausbildung nur in privaten Hochschulen möglich? Wird die Bildung zur Ware? Kann nur durch neue Technologien die Bildungsqualität und -effektivität gesteigert werden? Sind die Finanzierung der Neuen Technologien und die Umsetzung von aufwändigen elektronischen Lernszenarien nur durch Privatisierung möglich und dadurch nur für eine finanzielle Elite zugänglich?


Obwohl die Fragen ohne konkrete Antworten bleiben, spiegelt sich in den Ausführungen zur Entwicklung und Finanzierung der Hochschullandschaft in Deutschland die Befürchtung wieder, dass die Antwort für all diese Fragen „Ja“ lautet.

Bemerkenswerterweise geht der Film sogar noch einen Schritt weiter und zeigt am Ende, zu welchen sozialen Konsequenzen die Privatisierung der Bildung führen könnte. Die Nachrichtensendung, aus welcher der Beitrag zum größten Teil besteht, wird in naher, aber nicht genau definierter Zukunft gesendet und gesehen. Das skurrile Design des Studios assoziiert beim Betrachter die Niveaulosigkeit von kommerziell ausgerichtetem Fernsehen und legt nahe, die einfache Ursache-Wirkungsverknüpfung „Kommerzialisierung heißt Verflachung“ auch auf den Bildungssektor anzuwenden. Beispielhaft gezeigt wird dies mit dem Liveticker, der die Werbung für die PBUHH, Private Business University Hamburg, anpreist. Doch dieser Schluss ist zu einfach und wird dem Film nicht gerecht.

Durch die permanent eingeblendete Werbung zeigen uns die Filmemacher, wie medial verdorben unsere Zukunftswelt ist und dass es immer nur ums Geld geht, auch und gerade in der Bildung. Die Innenwelt, das Learning-Environment, das sie als Vision zeigen, ist ästhetisch anspruchsvoller als das billige Fernsehstudio und der schmierige Pressesprecher. Hier breiten die Filmemacher die Verlockungen einer „schönen neuen Welt“ aus, um sie dann schlagartig mit der Realität zu konfrontieren. Das gezeigte Szenario beinhaltet auch die Verwendung einer Virtual-Reality-Brille. So endet die Sendung abrupt, nachdem der Zuschauer sie wegklickt und seine Brille abnimmt. Die Brille, mit der ihm sowohl die schöne virtuelle Bildungsumgebung als auch die Nachrichtensendung unter völliger Ausschaltung der realen Welt projiziert wurde. In der wirklichen Welt rumort es, die Demonstranten kommen bereits um die Ecke, und es werden Brandsätze geworfen.

An dieser Stelle wird eine ernsthafte Diskussion angestoßen. Natürlich ist es stereotyp und eindimensional, wenn man behauptet, Privatisierung und Kommerzialisierung der Bildungseinrichtungen führen zwangsläufig zu ihrem Niedergang. In bemerkenswerter Weise behauptet das der Film ja auch gar nicht: im Gegenteil, das Bildungsangebot verbessert sich hier sogar drastisch. Leider nur für die Wohlhabenden, während der nicht so vermögende Bürger dem ausgebluteten öffentlichen Bildungssystem ‚auf der Tasche liegt‘ und nicht ausreichend versorgt wird. Dieses Bild ist sicherlich weit überzeichnet, aber: als filmische Vision ist es überzeugend und geschickt dargestellt.
Man kann sich leicht vorstellen, dass es für einen dreiminütigen Kurzfilm ziemlich viel Aufwand bedeutet, eine Demonstration mit Ausschreitungen zu filmen. Dies haben die Filmemacher mit einer stattlichen Anzahl von Komparsen geschafft. Vom Filmtechnischen her haben sie beachtlichen Aufwand bei der Realisierung des Films betrieben, um sowohl die digitalen Innenwelten der Lernszenarien und das mit Werbung garnierte Design des Fernsehstudios als auch die fiktive Realität der Schlussszene umzusetzen.

Ihre Kritik an der Kommerzialisierung und ihr Appell zur sozialen Verantwortung, was den Bildungssektor angeht wird dem Zuschauer eindrucksvoll verdeutlich und ist nachvollziehbar. Wir alle sollten uns damit ernsthaft damit auseinandersetzten.

Vielen Dank und herzlichen Glückwunsch zu dem Preis an Jasper Feine, Flemming Pohl und Paul Wilke!

Weitere Infos zum Preis finden Sie auch unter dini.de/wettbewerbe/study-fiction/

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