Kurioser Streit in Klein Schneen: Deutsche Bahn macht Schranken für Landwirte dicht

 

In Klein Schneen bei Göttingen hat die Deutsche Bahn einen Bahnübergang gesperrt. Das Problem: Dieser Bahnübergang ist für fünf Landwirte die einzige Zufahrt zu ihren Feldern. Nachdem sie über 90 Jahre lang problemlos auf ihre Äcker fahren konnten, steht dort plötzlich ein Bauzaun. Wann und ob die Zufahrt wieder aufgemacht wird, steht in den Sternen.

 

Warum das für die Bauern nicht nur ärgerlich, sondern ein echtes Problem ist, sehen Sie im Video.

 

Mit dem Blitz kam der Ärger

 

Wenn Landwirt Ernst-Georg Hartung und seine Kollegen aus Klein Schneen früher den Bahnübergang am Ortsrand überqueren wollten, dann mussten sie bislang lediglich einen Knopf drücken. Der Bahnübergang hatte ursprünglich eine sogenannte "Anrufschranke". Wer über die Gleise fahren wollte, musste sich lediglich telefonisch melden, dann ging die Schranke ferngesteuert auf.

Aber im Sommer 2019 war plötzlich Schluss: Ein Blitz schlug ein und zerstörte die Schranke. Die Anlage wurde daraufhin durch einen Bauzaun ersetzt. Dafür stellte die Deutsche Bahn zwei Mitarbeiter als Bahnübergangsposten ab, die den Zaun bei Bedarf öffnen sollten.

 

Am Bahnübergang ist Endstation

 

Doch wegen der aktuellen wirtschaftlichen Lage ist das nicht immer möglich. Inzwischen hat die Deutsche Bahn den Übergang vollständig gesperrt – und die Landwirte stehen jetzt vor verschlossener Schranke. Auf Nachfrage von RTL sagte die Deutsche Bahn, der Übergang sei illegal überquert worden. Aus Sicherheitsgründen sei der der Bahnübergang deswegen zu.

Von einer illegalen Überquerung wissen die Landwirte dagegen nichts. Sie wollen lediglich ihre Felder bearbeiten. "Im Grunde genommen schafft die Bahn mit diesem Verhalten hier über 20 Hektar Niemandsland mitten in Deutschland, wo keiner mehr hinkommen kann", meint Achim Hübner vom Göttinger Bauernverband.

 

Den Bauern läuft die Zeit davon

 

Dabei müssten die Landwirte dringend ihre Böden pflegen, Getreide düngen und Mais aussäen. Die Bahn sagt dazu: "Wir sind uns selbstverständlich bewusst, dass es eine schwierige Situation für die betroffenen Landwirte ist und bemühen uns sehr um eine Alternative."

Eine Lösung könnte eine neue Straße zum nächsten Bahnübergang sein. Auch ein menschlicher Schrankenwärter, der zumindest bis zur Ernte aushilft, wäre laut Bahn eine Option. Wann es allerdings soweit ist, steht bisher nicht fest.

 

Kann man den Blitz verklagen?

 

Die Landwirte überlegen nun, gerichtlich gegen das Unternehmen vorzugehen. Nach Ansicht der Bahn haben sie aber zumindest auf Schadensersatz keinen Anspruch. Denn laut Bahn habe nicht das Unternehmen Schuld an der kaputten Schranke und damit an der Sperrung der Straße - sondern der Blitz.

 

Björn Heckmann / Luisa Ziegler

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