Kontaktverbot und Mindestabstand: Welche Folgen hat das für die Rotlichtbranche?

 

Die gesamte Rotlichtbranche sieht zurzeit wortwörtlich rot. Die Bordelle sind dicht, Prostituierte verlieren ihre Einnahmen und zum Teil auch die Bleibe. Was die Krise für SexarbeiterInnen und Freudenhäuser bedeutet - eine Sexarbeiterin hat uns erzählt, wie sie sich momentan über Wasser hält.

Normalerweise spielt sich der Arbeitsalltag von Hamburgerin Josefa Nereus zwischen den Laken ab: Doch statt Bettgeflüster gibt es nun geflüsterte Tagträume, alles ist in Corona-Zeiten digital: „Dein ganzer Körper darf sich entspannen. Wir können ja mal im Gesicht anfangen, hier an diesem Punkt....“

 

Telefonsex dient als kleines Taschengeld

 

Für die Prostituierte bedeutet die Corona-Krise: Totalausfall. Während einer Kontaktsperre mit Körperkontakt Geld verdienen, das ist schlichtweg unmöglich. „Also mit Telefonsex und Filmchen verkaufen kann sich ein kleines Taschengeld verdienen, aber das reicht nicht, um Miete zu finanzieren. Da muss ich erstmal auf Rücklagen zurückgreifen“, erzählt uns Josefa Nereus im RTL Nord-Interview.

 

Von Mediengestalterin zur Sexarbeiterin

 

Seit acht Jahren verdient die gelernte Mediengestalterin ihren Lebensunterhalt mit Sex in einem separaten Apartment. Sie hat sich bewusst für den Beruf entschieden, weil sie mehr Sex haben wollte, als sie in ihrer damaligen Beziehung hatte. In Zeiten von Corona tauscht sie sich nun regelmäßig mit Kolleginnen aus. Die Community wird kreativ und gründet digitale Stammtische.

 

Das sind Alternativen für Josefa

 

Josefa Nereus kann zwar momentan keine Kunden empfangen, dafür gibt es aber andere Möglichkeiten, wie sie weiterhin – zumindest ein wenig – Geld verdienen kann. „Es gibt verschiedene Formen wie man jetzt weiterarbeiten kann: Zum Beispiel online als Camgirl. Das mag ich persönlich jetzt nicht so gerne, weil ich nicht nackt im Internet auftauchen möchte. Es gibt auch die Möglichkeit, Telefonsex anzubieten. Das ist etwas, wo ich mich gerade versuche oder was ich auch versuche, sind so Fetischfilme produzieren.“ Denn Corona macht auch vor dem ältesten Gewerbe der Welt nicht Halt.

 

Existenzängste im gesamten Gewerbe

 

Seit Mitte März sind Bordelle geschlossen und jegliche Form von Prostitution ist verboten. Selbstbestimmte Sexarbeiter, die ihr Gewerbe angemeldet haben, können staatliche Grundsicherung beantragen.

Doch der Großteil arbeitet im Verborgenen und ist damit vollkommen mittellos. Undine de Revière vom Berufsverband Sexarbeit stuft die aktuelle Lage als extrem dramatisch ein: „Viele Kolleginnen wissen nicht, wovon sie das Essen nächste Woche bezahlen sollen. Einige arbeiten weiter, weil ihnen nichts anderes übrig bleibt. Unter noch schlechteren Bedingungen als vorher.“ Um Menschen am Rande der Existenz zu unterstützen, hat der Berufsverband deshalb eigenständig einen Nothilfe-Fonds aus Spenden eingerichtet.

 

Josefas Stammkunden gehören zur Risikogruppe

 

Selbst wenn die Kontaktsperre nach und nach gelockert wird, fürchtet die Josefa Nereus um Aufträge: „Ich habe recht viele - gerade Stammkunden - die in einem Alter sind, die zur Risikogruppe gehören und einfach Vorerkrankungen haben, und dass das da natürlich tückisch wäre, wenn sich da jemand infizieren würde oder erkrankt.“ Manche Kunden möchten Gutscheine kaufen, um Josefa zu unterstützen, doch das vertagt das Problem nur. Dass sie ihren Beruf schon bald wieder normal ausüben kann - noch bleibt es ein Traum.

 

Alisha Elling / Antonia Giese

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