Kloster statt Spa – Warum Entspannung auf Kloster Nütschau so beliebt ist

 

Wie stellen Sie sich das Leben im Kloster vor? Triste Mauern, grimmige alte Männer und kein Kontakt zur Außenwelt? In Nütschau läuft es ganz offensichtlich anders, denn das nördlichste Benediktinerkloster Deutschlands empfängt pro Jahr 23.000 Übernachtungsgäste und viele weitere Tagesbesucher. Ein Mönch erklärt, was denn diese Menschen an so einem religiösen Ort reizt.


Ein stiller Ort in einer hektischen Welt


Unsere Welt ist hektisch, laut, schnell. Reize überfluten uns. Da ist es absolut nachvollziehbar, wenn der ein oder andere sich davon mal ein paar Tage Auszeit nehmen will. Gerade jetzt in der turbulenten Vorweihnachtszeit. RTL-Reporterin Susanne Böhm ist der Frage nachgegangen, warum bei uns im Norden viele Menschen solch einen „Urlaub vom Alltag“ ausgerechnet im Kloster verbringen wollen.
Im schleswig-holsteinischen Travenbrück hat sie sich mit Bruder Johannes Tebbe getroffen. Schon seit 18 Jahren lebt er im Kloster Nütschau, die letzten acht Jahre als Priester. Deshalb weiß er auch ganz genau, warum dieser Ort nicht nur streng religiöse Menschen wie ihn in seinen Bann zieht. „Zum einen ist es natürlich die Idylle. Die Natur. Die Ruhe. Vor allem aber der strukturierte Alltag, der hier vorgegeben wird. Arbeit steht hier nicht an erster Stelle, das tun vielmehr die Gemeinschaftsrituale. Und Dinge wie kochen, putzen… all das können die Leute hier mal loslassen. Sie haben mal wieder Zeit, sich mit sich selbst zu beschäftigen. Sich selbst zu finden.“, erzählt Johannes RTL-Reporterin Susanne.


Kein Wellness-Hotel und trotzdem: Der Quasi-Tourismus läuft im Kloster Nütschau


Und die Idee findet Anklang. 23.000 Übernachtungsgäste zählt das Kloster jedes Jahr, viele bleiben mehrere Tage am Stück. Auch Schulklassen und Vereine suchen für Tagesbesuche immer wieder den Weg nach Travenbrück. In der Regel ist das Kloster auf Monate ausgebucht. Und dennoch: Sich auf diesen so komplett anderen Lebensstil einzulassen, wenn auch nur temporär, ist nicht immer einfach. Hier gibt es keine Computer, keine Smartphones, keinen Fernseher und auch sonst wenig der Dinge, die uns im Alltag immer bei der Arbeit begleiten oder in unserer wenigen Freizeit berieseln.
Dafür finden sich im Kloster Rituale, die solche Dinge ersetzen. Mehrmals am Tag treffen sich die 19 Mönche des Klosters zu gemeinsamen Beten und auch die Besucher laden sie dazu ein. Welche Konfession man hat und ob man überhaupt man Gott glaubt, das spielt dabei keine Rolle. Wer nicht beten will, könne auch meditieren, oder sich selber reflektieren, sagt Bruder Johannes. Besonders das gemeinsame Essen ist ein Ritual, das die Besucher nach einiger Zeit schätzen lernen. Die Benediktinermönche essen schweigend, ein Bruder liest aus der Bibel vor. Zu scheinbar selbstverständlichem finden die Besucher in solchen Situationen oft einen völlig neuen Zugang.


Susanne Böhm/ Lorraine McIlvenny

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