Klarer Sternenhimmel, Waldbrandgefahr und Wespen: Darum spielt das Wetter verrückt



Es ist schon komisch, dass draußen die Sonne scheint und trotzdem eiskalte Temperaturen herrschen. So kalt, dass die Winterhandschuhe nun vielerorts im März erst aus der Schublade gekramt werden müssen. Spielt das Wetter verrückt? In der Tat handelt es sich aktuell um eine außergewöhnliche Wetter
lage, sagt Meteorologin Annika Brieber vom Klimahaus Bremerhaven: „Es ist eigentlich eine typische Winterwetterlage, die es aber den ganzen Winter nicht gab.“ Erstaunlicherweise soll in diesem Jahr zum ersten Mal kalte und trockene Polarluft aus Sibirien über den Norden ziehen. Das ist eigentlich für den Winter typisch ist. Dieses Phänomen soll immer mal wieder vorkommen, wird aber durch den Klimawandel verstärkt, erklärt Annika Brieber.


Waldbrandgefahr in Niedersachsen

Kaum zu glauben, dass die sibirische Kälte die wir jetzt haben trotzdem zu erhöhter Waldbrandgefahr führt. Laut dem deutschen Wetterdienst ist in einigen Teilen von Niedersachsen schon die Stufe vier von fünf erreicht worden. „Auch das liegt an der trockenen Luft aus Nordost, zu der tagsüber auch noch die Sonne dazu kommt“, erklärt Annika Brieber. Eigentlich ist um diese Zeit mit feuchter Luft aus dem Westen zu rechnen, die vom Meer aus über Norddeutschland zieht. Trotzdem sei das aktuelle Wetter für das Frühjahr nicht untypisch, erklärt die Wetter-Expertin.


Klarer Sternenhimmel von Kiel bis nach Bremen

Weil auch überall im Norden Ausgangsbeschränkungen herrschen, verbringen viele ihre Abende momentan auf dem Balkon, am Fenster oder im Garten. Dabei gibt es gefühlt vergleichsweise häufig einen klaren Sternenhimmel zu genießen. Auch hier soll es einen Zusammenhang mit der kalten Luft aus dem Osten geben, denn sie ist klar und häufig wolkenlos. Außerdem könnte auch der Rückgang von Feinstaub durch die Corona-Krise zur klaren Sicht beitragen, sagt Annika Brieber. Darauf deuten zumindest aktuelle Zahlen aus Italien und China hin.


Wespen in Hamburg und das schon im März

Dass die Sonne scheint, freut wohlmöglich auch die Wespen, denn sie sind in der Hansestadt schon an einigen Orten gesichtet worden. Aber wie kann das sein, bei der Kälte? Früher hat die Regel doch gelautet: Im März kommen die Hummeln, im April die Wespen und im Mai die Hornissen. Weil aber schon jetzt Temperaturen von über acht Grad erreicht werden, kommen die Wespenköniginnen schon raus. „Das ist der Richtwert, bei dem sich die wilden Tiere nach dem Winter einen geeigneten Ort für Ihr Nest suchen“, erklärt Bent Schubert. Er ist Insektenfachberater der Umweltbehörde Hamburg. Kann es deshalb im Sommer eine Plage geben? Wahrscheinlich nicht, sagt er: „Auch die Vögel sind schon sehr früh unterwegs und bauen Ihre Nester und sie fressen die Wespen sehr gerne“. Sollte es dann auch nochmal Frost geben, könnte es zusätzlich schwierig für einige Wespenköniginnen werden, denn sie müssen Ihre Nester schön warmhalten, damit die Eier nicht sterben.

 
Christo Tatje

 

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