Bronzepflicht: In Bremerhaven kommen Kinder nur noch mit dem Abzeichen ins Schwimmbad

 

Die Kinder unbeschwert im Wasser planschen lassen – das ist längst keine Selbstverständlichkeit mehr. Mehr als die Hälfte aller Kinder in Deutschland kann laut der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) nicht schwimmen.
Wer in Bremerhaven ins Wasser springen möchte, muss sich deswegen künftig ausweisen. Jungen und Mädchen unter 16 Jahren dürfen seit März ohne erwachsene Begleitung nur noch mit dem Bronzeabzeichen in die Schwimmbäder.

 

Warum immer weniger Kinder gut schwimmen können, zeigen wir im Video.

 

Immer mehr unsichere Schwimmer

 

Die DLRG beklagt seit Jahren eine steigende Anzahl unsicherer Schwimmer unter den Kindern und Jugendlichen. Demnach können 3 von 5 Kinder am Ende der Grundschulzeit nicht gut schwimmen. Allein 2019 sind in Niedersachsen 51 Menschen ertrunken, in Bremen waren es zwei. 

Das führt aber nicht nur im Schwimmbad zu Problemen. Sicherheit im Wasser kann in vielen Lebenslagen wichtig sein, erklärt die Schwimmtrainerin Rieke Felden: „Schwimmen ist eine Selbstrettungsmaßnahme. Das heißt, wenn die Kinder irgendwo mal reinplumpsen, in einen See oder einen Bach, der ein bisschen tiefer ist, dann können die Kinder sich dadurch selbst retten.“

Deshalb seien die Kinder darauf angewiesen, von den Eltern ans Wasser gewöhnt zu werden. Außerdem sollten sie möglichst früh für Schwimmkurse angemeldet werden.

 

Handy und Computer beeinflussen die Motorik

 

Die Gründe für die steigende Anzahl an Nichtschwimmern sind laut Experten vielfältig. Die DLRG führt das unter anderem darauf zurück, dass es gerade auf dem Land nicht genug Schwimmflächen gibt. Wer für sein Kind einen Schwimmkurs buchen möchte, muss meist lange auf einen Platz warten. Manche Eltern können sich die Teilnahme finanziell gar nicht leisten.

Die Schwimmtrainerin Rieke Felden vermutet außerdem, dass auch der vermehrte Handy- und Computerkonsum der Kinder eine Rolle spielt. Sie würden sich dadurch weniger bewegen, darunter würden die motorischen Fähigkeiten leiden.

 

Ohne Eltern kein Badespaß

 

Bremerhaven hat deswegen die Zutrittsregeln zu Schwimmbändern zum ersten März verschärft. "Der Hintergrund der Bronze-Pflicht für Kinder bis einschließlich 15 Jahren ist, dass wir in den letzten Monaten und Jahren vermehrt problematische Fälle im Becken hatten“, erklärt Robert Haase, Geschäftsführer Bädergesellschaft Bremerhaven. „Es waren also Kinder im Schwimmbecken, die überhaupt nicht schwimmen konnten und auch nicht beaufsichtigt waren."

Kinder ohne Bronzeabzeichen werden deswegen nur noch in Begleitung der Eltern ins Wasser gelassen. In Bremerhaven wird die neue Regelung bisher gut angenommen. In den letzten Wochen haben dort rund 100 Kinder ihr Bronzeabzeichen erfolgreich absolviert. Eltern und Schwimmtrainer erhoffen sich dadurch mehr Sicherheit für die kleinen Schwimmer.

 

Laura Küsel / Luisa Ziegler

 

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