Katastrophe für Obdachlose: Wie der Corona-Virus zur Tortur für Menschen ohne Zuhause wird

 

Unter dem Hashtag #stayathome zeigen immer mehr Menschen in den sozialen Netzwerken, wie sie mit den Ausgangsbeschränkungen und dem Kontaktverbot umgehen. Aber was ist mit denjenigen, die gar kein Zuhause haben? Für sie wird die Situation immer schwieriger. Viele von ihnen haben nur wenig Möglichkeiten sich vor dem Virus zu schützen und das, obwohl sie nicht selten an Vorerkrankungen leiden und eindeutig zur Risikogruppe gehören. Erschwerend hinzu kommen existenzielle Sorgen, denn immer mehr Hilfsmöglichkeiten gibt es einfach nicht mehr. Sie werden den Obdachlosen nach und nach genommen. In welcher schwierigen Lage sich die Menschen in Norddeutschland auf der Straße befinden, sehen Sie im Video.

 

Die Hilfsangebote in Hamburg schwinden

Die Temperaturen in Hamburg sind gering. Oft ein Grund für Hamburgs Obdachlose, sich einen Platz in einer Notunterkunft zu suchen. Doch seitdem in der Winterunterbringung in der Friesenstraße ein Corona-Fall bekannt geworden ist, wird es für die Wohnungslosen sehr viel schwieriger. Immer mehr Unterkünfte machen dicht, die Anzahl an Helfern schwindet. Und nicht nur das: Auch bei Tagesstätten mit Essensausgaben stehen die Bedürftigen nun häufig vor verschlossener Tür. Ihnen bleibt wohl nur noch die Hoffnung, dass die Tafeln aufbleiben, aber auch hier ändert sich der Betrieb grundlegend: Auch hier weniger Helfer und Orte, an denen Essen ausgeteilt wird. "Vorher sind wir ja mit 14 Sprintern rausgefahren morgens. Wir haben Lebensmittel eingesammelt mit täglich 40-45 Ehrenamtlichen. Das haben wir komplett eingestellt, weil unsere Ehrenamtlichen größtenteils auch zur Risikogruppe gehören", entgegnet Julia Bauer von der Hamburger Tafel gegenüber RTL Nord.

 

Es wird immer schwieriger, an Geld zu kommen

Um sich ein wenig Geld dazu zu verdienen, nehmen Obdachlose in der Hansestadt in einigen Fällen auch die Hilfe des „Hinz und Kunzt“-Projekts in Anspruch. Die obdachlosen Verkäufer des gleichnamigen Straßenmagazins gehören zum klassischen Bild in den Fußgängerzonen der Metropole. Mit dem Erlös durch die Zeitung können sie sich ein wenig Geld dazu verdienen. Der Verlag stellt nun jedoch den laufenden Betrieb ein und auch die öffentlichen Plätze mit potentiellen Kunden werden immer leerer – das soziale Leben friert ein. Eine aussichtslose Situation nicht zuletzt auch deshalb, weil den Obdachlosen viele Möglichkeiten genommen werden um an Geld zu kommen – Betteln zum Beispiel oder das Sammeln von Pfandflaschen.

 

Harte Kontrollen durch die Polizei

Viele Menschen auf der Straße halten ihr soziales Leben in Gruppen aufrecht, oder schützen sich im Team gegenseitig vor Übergriffen. Seitdem die Ausgangsbeschränkungen da sind und ein Kontaktverbot gilt, wird es für sie immer schwieriger. Durchgesetzt wird das Kontaktverbot durch die Polizei, die in regelmäßigen Streifen überprüft, dass sich auf öffentlichen Plätzen wirklich keine Gruppen über zwei Personen mehr bilden. Auch Obdachlose, die sich an diese Regel nicht halten, müssen mit rechtlichen Konsequenzen rechnen - Ausnahmen werden für sie nicht gemacht.

 

Den Obdachlosen bleibt wenig Hoffnung

Wo sich immer mehr Menschen in die eigenen vier Wände zurückziehen und isolieren, bleibt für die Obdachlosen nur noch wenig Hoffnung. Ein kleiner Lichtblick sind jedoch Projekte wie die von Daniel Schmidt. Der Gastwirt hat seine 24-Stunden-Kneipe „Elbschlosskeller“ auf St. Pauli kurzerhand in eine Suppenküche umgewandelt. Ab sofort gibt es für Bedürftige hier kein Bier mehr, sondern eine warme Mahlzeit.

 

Kai Bülter/Franziska Starck/Christo Tatje

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