Jungen 89 Mal missbraucht: Pflegevater muss ins Gefängnis

 

Weil er sich laut Gericht 89 Mal an Pflegekindern verging, muss ein 57-Jähriger ins Gefängnis: Das Landgericht Aurich hat ihn zu zehn Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Außerdem ordnete das Gericht Sicherungsverwahrung an. Die Jungen lebten beim Angeklagten und seiner Frau in Ostfriesland. Zwischen 1999 und 2014 seien sie von dem Mann sexuell missbraucht worden. Er habe „jede Gelegenheit genutzt, um sich an den Kindern zu vergehen“, so Richter Malte Sanders. Bei der Urteilsverkündung zeigte der Angeklagte keine Regung.

 

Missbrauch an unterschiedlichen Orten

 

Die Jungen waren zur Tatzeit unterschiedlich alt - mal fünf, mal zehn Jahre oder auch im Jugendalter. Insgesamt handele es sich um mindestens sieben Jungen. Es sei nicht abwegig, von der „Spitze des Eisbergs“ zu sprechen, sagte der Richter. Das Paar wohnte sowohl in Aurich, Großefehn, als auch in Großheide. Die Kinder seien dem 57-Jährigen ausgeliefert gewesen, sie hätten keine andere Möglichkeit gehabt, als sich über ihn ergehen zu lassen.

 

„Kinderflüsterer“

 

Er habe sich nach außen verständnisvoll gezeigt und sei bei den Kindern auch beliebt gewesen. „Kinderflüsterer“ habe man ihn auch genannt. „Umso schlimmer, dass er sich an ihnen vergangen hat“, so Malte Sanders. Im Verfahren habe sich der Angeklagte überhaupt nicht einsichtig gezeigt.

 

„Ich bin nicht aggressiv“

 

Vorwürfe, der Mann habe sogar Gewalt angewendet, wies er zu Beginn des Prozesses zurück: „Ich bin nicht aggressiv und werde auch nicht übergriffig oder sonst irgendwas.“ Es habe allerdings eins, zwei Fälle gegeben, wo er seine Taten zugebe. „Ich weiß nicht, was mich dazu getrieben hat“, sagte der Angeklagte. Durch die Sicherungsverwahrung ist es möglich, dass der Mann unbegrenzt eingesperrt bleiben kann. Laut einem Gutachter sei er schwer pädophil und es bestehe Wiederholungsgefahr. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

 

Julia Franz / Roland Rickelmann

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