Ist das der Durchbruch? Braunschweiger Forscher finden Corona-Antikörper

 

Seit Wochen wird weltweit am Coronavirus geforscht. Vor allem Medikamente zur Bekämpfung von schweren Verläufen der Covid 19-Erkrankung sollen so schnell wie möglich entwickelt werden, doch bisher können immer wieder nur Teilerfolge verkündet werden. Forscher des Braunschweiger Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) haben jetzt aber nach eigenen Angaben einen großen Erfolg für die Entwicklung von Impfstoffen und Medikamenten erzielen können. 

 

Mehr als 750 Antikörper docken an Coronavirus an

 

Damit das Virus im Körper gestoppt werden und sich somit nicht weiter ausbreiten kann, müssen Antikörper gegen die Viren ankämpfen. Der Braunschweiger Virologe Prof. Dr. Luka Cicin-Sain vergleicht das Coronavirus mit einer Distel, die kleine Häkchen an der Oberfläche hat. Mit diesen Häkchen kann es sich an die Zellen binden, eindringen und sich dort vermehren. Dadurch wird der Mensch krank. „Die Antikörper funktionieren wie eine Watte, mit der man die Distel auf allen Seiten überzieht, sodass sich die Häkchen nirgendwo binden können“, sagt der Virologe. Die Braunschweiger Forscher haben 6.000 künstlich hergestellte Antikörper an menschlichen Zellen getestet und herausgefunden, dass mehr als 750 davon an das Coronavirus andocken und es so blockieren.

 

Aussagekräftige Ergebnisse erst in Monaten?

 

Die Forscher am HZI unterziehen die Antikörper in ihrem Hochsicherheitslabor in Braunschweig weiteren Tests. „Wir gehen davon aus, dass wenn alles gut läuft, wir im Herbst mit klinischen Studien anfangen können“, prognostiziert Prof. Dr. Luka Cicin-Sain. Das bedeutet: Erst nachdem die Wirksamkeit in klinischen Studien bestätigt wurde, kann ein mögliches Medikament zugelassen, produziert und in der Behandlung eingesetzt werden. Nun müssen sich die Forscher laut dem Virologen erstmal langsam herantasten und ausprobieren, was wirklich wirkt. „Wir brauchen noch viel Arbeit, um die Antikörper so herzustellen, dass man sie den Menschen geben kann und dass sie sicher sind.“

 

Medikament bei besonders schweren Verläufen

 

Auch wenn ein wichtiger Forschungserfolg erzielt wurde, heißt dies nicht, dass nach der Zulassung eines Medikaments alle Infizierten damit behandelt werden können. Prof. Dr. Luka Cicin-Sain geht nicht davon aus, dass es ein Medikament für die breite Bevölkerung geben wird. Die Herstellung der Antikörper sei sehr teuer: „Das bedeutet, dass die Therapie für einen einzelnen Patienten 10.000 Euro oder mehr kosten kann“, so Prof. Dr. Luka Cicin-Sain. Wahrscheinlicher ist, dass zunächst die ganz schweren Fälle behandelt werden, also Menschen, die beatmet werden müssen und um ihr Leben kämpfen.

 

Mareike Baumert

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