Wie dieser Rentner mit Kindern gegen Rechts kämpfen will

 

Die Zeiten des Nationalsozialismus mögen schon eine Weile her sein, Spuren dieses dunklen Kapitels deutscher Geschichte findet man aber noch heute vor der eigenen Haustür. Dietmar Geyer aus Hannover verbringt seinen Ruhestand damit, Schüler über ehemalige Nazi-Schauplätze der niedersächsischen Landeshauptstadt aufzuklären. Damit will der Hannoveraner auch gegen den aktuellen Rechtsruck in der Gesellschaft vorgehen.


Hinter einigen Gebäuden in Hannover verbergen sich ehemalige Nazi-Institutionen. Welche das sind und wie dort über Jahre Judenhass und Säuberungsgedanken gelebt wurden, sehen Sie in unserer Reportage.


Ein Rentner aus Hannover will nicht, dass sich die Geschichte wiederholt


Rentner Dietmar Geyer aus Hannover bedauert den Rechtsruck in der Gesellschaft, der sich seit einigen Jahren auch im politischen Deutschland beobachten lässt. Der 73-Jährige habe in seiner Kindheit selbst mitbekommen, wie nazifiziert große Teile der damaligen Gesellschaft auch Jahre nach dem Ende des 2. Weltkriegs noch waren. „Demokratie ist für mich das höchste Gut. Und Schüler sollten in der Lage sein, zu erkennen, wenn Politik und Staatsbürger Minderheiten unterdrücken“, so Geyer.

Dafür hat Geyer die Internetseite „ns-zeit-hannover.de“ ins Leben gerufen. In Vorträgen bringt er Hannoveraner Schülern damit frühere Schauplätze der NS-Diktatur nahe. Ein berühmtes Beispiel ist die Bergstraße in Hannover, wo Mitglieder der Nationalsozialistischen Schutzstaffel (SS) am 10. November 1938 die jüdische Synagoge niederbrannten.


Ehemaliger Hauptsitz der Gestapo und Schauplatz des Holocaust


Die Geheime Staatspolizei, ein ausführendes NS-Organ, hatte in der niedersächsischen Landeshauptstadt Hannover von 1933 bis 1945 eine wichtige Leitstelle. Von dort aus bekämpften die Nazis ohne Rücksicht auf Gesetze systematisch Gegner des NS-Regimes aus Niedersachsen und der Region. Allen voran waren das Juden, aber beispielsweise auch Zeugen Jehovas, Roma und Sinti, Behinderte oder Homosexuelle. Die Gestapo konnte diese Menschen selbstständig verhaften, verhören und foltern. Gefangene wurden nicht selten zur „Schutzhaft“ in Konzentrationslager eingewiesen, was für viele den Tod bedeutete.

In den Jahren von 1941 bis 1945 organisierte die Gestapoleitstelle Hannover insgesamt acht Sammeltransporte von Juden. Die Güterwagons, in die Polizisten sie gewaltsam hineindrängten, sollten sie angeblich „in den Osten“ bringen – zum Arbeiten. Endstationen dieser unschuldigen Menschen waren Ausschwitz, Warschau und andere Konzentrationslager.


Juliana Schatzschneider / Lorraine McIlvenny

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