85 Morde!!! Lebenslänglich für Todespfleger Niels Högel

 

„Herr Högel, Ihre Taten sind unbegreiflich“

Eineinhalb Stunden dauert die Urteilsbegründung im Landgericht Oldenburg. Der Richter ist sich sicher: Niels Högel ist schuldig, aber nicht alle Taten konnten ihm nachgewiesen werden. Vor allem für die Opfer-Angehörigen wird dieses Urteil nicht das Richtige sein.

 

100 Morde waren angeklagt

Zwischen 2000 und 2005 soll der ehemalige Krankenpfleger Niels Högel auf den Intensivstationen an den Kliniken Oldenburg und Delmenhorst Menschen ein Medikament gespritzt haben, das zum Herzstillstand führte. Anschließend versuchte Högel die Patienten zu reanimieren, doch das gelang in vielen Fällen nicht. Für 100 Taten stand er seit Oktober 2018 vor Gericht, in 15 Fällen wurde er heute freigesprochen.

 

Högel zeigt keine Regung

Während der Richter eindrücklich sein Urteil begründet, dabei ist es ganz still im Saal, zeigt sich Niels Högel nicht beeindruckt von der Atmosphäre und dem Urteil. Bereits seit 2008 sitzt er im Gefängnis, wurde wegen versuchten Mordes an einem Patienten verurteilt. Viel emotionaler ist der Richter: Er betont immer wieder, wie traurig er sei, dass die volle Wahrheit nicht ans Licht gekommen ist, sagt zu Högel „ihre Schuld ist unfassbar“ und gibt selbst zu: „Ich kam mir vor wie ein Buchhalter des Todes“.

 

Manche Angehörige enttäuscht über Urteil

Der ganze Saal ist voll bei Urteilsverkündung: allein mehr als 100 Angehörige der Opfer, Verwandte, Eltern, Kinder, Ehepartner, hören dem Richter heute zu. Dass es für 15 Fälle nicht genügend Beweise für eine Verurteilung gab, versucht der Richter zu entschuldigen: „Wir haben begründete Zweifel, das tut uns wirklich leid, aber wir vertreten den Rechtsstaat“. Für viele ist die Wahrheit über den Tod ihrer Angehörigen heute nicht ans Licht gekommen.

 

Högel sagte nicht die Wahrheit

Der Richter spricht auch Niels Högel direkt an: der Ex-Krankenpfleger sei eine narzisstische Persönlichkeit, also ein eigensüchtiger Mensch, ihm zu glauben, sei schwer gewesen. Auch das habe dazu geführt, das nicht alle angeklagten Morde aufgedeckt werden konnten. 

 

Autorin: Mareike Baumert

 

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