100 Tage Corona im Norden: Zweite Welle kommt, „wenn wir schludern“

 

Vor mittlerweile 100 Tagen wurde der erste Coronafall in Norddeutschland gemeldet. Ein Kinderarzt aus Hamburg mit Wohnsitz in Schleswig-Holstein hatte zuvor in Norditalien Urlaub gemacht. Knapp 4 Wochen später folgte der Lockdown. Heute sind die Infektionszahlen durch die Schutzmaßnahmen zwar weit zurückgegangen, für Entwarnung ist es laut Experten dennoch zu früh.

 

Der Virologe Prof. Dr. Helmut Fickenscher warnt davor eine Region als coronavirusfrei zu bezeichnen. Er geht davon aus, dass es eine zweite Welle geben kann. „Sie ist dann wahrscheinlich, wenn wir schludern. Und wenn wir alle gemeinsam Disziplin bewahren, was immer noch insgesamt recht gut aussieht, dann haben wir auch gute Chancen die zweite Welle zu vermeiden.“

 

Normalbetrieb in Schleswig-Holsteins Grundschulen

 

In Schleswig-Holstein dürfen heute, 100 Tage nach dem ersten Corona-Fall in Norddeutschland, die Grundschulen wieder für alle Schüler öffnen. Doch ganz ohne Corona-Regeln geht es noch nicht. An der Johannes-Prassek-Schule in Lübeck wird zum Beispiel jede Schulklasse nacheinander in das Gebäude geführt. Außerdem gibt es vor Beginn des Schultages eine Phase der freien Stillarbeit, in der die Schüler nacheinander das Klassenzimmer verlassen und gründlich die Hände waschen sollen.

 

Kommt die Schulöffnung zu früh?

 

Kinder und Lehrer, die selbst zur Risikogruppe gehören oder die mit einer solchen Person zusammenleben, können sich beurlauben lassen. Doch für Astrid Henke von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft kommt die Öffnung der Grundschulen einfach zu früh. „Überall sollen wir Abstand halten, 1,5 Meter. Nur in der Grundschule ist das nicht mehr nötig. Da machen sich die Kollegen sehr große Sorgen um die Gesundheit und von daher ist es eine sehr problematische Entscheidung der Landesregierung.“

 

Für die Landesregierung wäre eine längere Schulschließung jedoch nicht zu verantworten gewesen. Das Ziel das Infektionsgeschehen einzudämmen und das Gesundheitssystem zu stärken, sei erreicht. Die Fälle häuslicher Gewalt hingegen nehmen stetig zu. In den vergangenen Wochen sind mehrere Tausend Kinder in Schleswig Holstein bereits in die Schule gegangen und es gab nur einen Infektionsfall. In Hamburg, Niedersachsen und Bremen werden die Schulen vorerst trotzdem noch nicht wieder für alle geöffnet.


Lockerungen in Niedersachsen

 

Auch in Niedersachsen tritt heute eine Reihe von Lockerungsmaßnahmen in Kraft. So dürfen zum Beispiel Bars und Kneipen wieder öffnen. Hotels dürfen wieder zu 80 Prozent ausgelastet sein. Kulturveranstaltungen im Freien mit bis zu 250 Teilnehmern und Taufen und Hochzeiten mit bis zu 50 Personen sind wieder erlaubt. Außerdem sind touristische Busreisen wieder möglich.

 

Finja Rathmann/Lars Jäger/Elena Rosemeyer

Mag ich