Hotel mit Mini-Zimmern: Geniale Idee oder gesundheitsschädlich?

 

Wer im „Boxhotel“ in Hannover eincheckt, den erwartet Minimalismus: Keine Fenster, keine Toilette, kaum Platz - aber Etagenbetten und eine Dusche. Das macht die Unterkunft besonders – und auch besonders günstig. Doch während der Betreiber das Micro-Hotel als modern und urban preist, ist die Stadt Hannover besorgt um die Gäste und möchte das Gewerbe am liebsten verbieten.

Wie die Zimmer genau aussehen und was die ersten Übernachtungsgäste dazu sagen, sehen Sie im Video.

  

 

Fläche optimal nutzen

 

Oliver Blume, der Geschäftsführer des „Boxhotels“, glaubt fest an seine Idee, die zukunftsfähig sei. „Wir haben uns überlegt, was braucht der Gast, wo ist der Nutzen?“, erklärt Blume. „Wir haben versucht beim Hotel alles einfach nur zu reduzieren auf gutes Schlafen.“ Dafür brauche es nicht mehr als ein Bett. In das Gebäude, das mitten in der Innenstadt steht, passen so 104 Zimmer. Ein „normales“ Hotel bräuchte gut das Zehnfache an Fläche für die gleiche Zimmeranzahl.

  

 

Streit vor Gericht

 

Die Stadt Hannover ist von Blumes Hotel allerdings wenig begeistert. Sie stört sich an den fehlenden Fenstern, befürchtet Gesundheitsschäden durch die rein künstliche Lüftung und das mangelnde Tageslicht. Vor dem Verwaltungsgericht wollte die Stadt daher dem Hotel den Betrieb verweigern - die Klage scheiterte. Allerdings ist das „Boxhotel“ noch nicht aus dem Schneider. Denn immerhin konnte die Stadt durchsetzen, dass Gäste künftig nicht länger als drei Nächte am Stück bleiben dürfen.

  

 

Medizinerin hat kaum Bedenken

 

Das wiederum passt Geschäftsführer Oliver Blume verständlicher Weise nicht. Er betrachtet die Vorgabe als Wettbewerbsverzerrung, hat Widerspruch gegen die Entscheidung eingelegt. Rein medizinisch betrachtet, reagiere die Stadt Hannover etwas übervorsichtig. Das erklärt Allgemeinärztin Sabine Braumann: „Selbst wenn man mal eine Woche in einem abgedunkelten Zimmer liegt, dann mag das auf Dauer vielleicht ein bisschen Depressionsfördernd sein. Aber es ist sicher nicht lebensgefährlich.“ Wichtig sei, dass die Belüftung gut funktioniere und sich Gäste ausreichend bewegen.

 

 

Pia Lindenberg / Patrick Testa-Kreitz

 

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