Große Bühne für Ex-Krankenpfleger Niels Högel? Theaterstück über Klinik-Mordserie

 

Niels Högel wurde im Juni 2019 wegen 85-fachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Högel hatte Patienten an den Kliniken Oldenburg und Delmenhorst tödliche Medikamente gespritzt. Das Oldenburger Staatstheater verwandelt diese unglaubliche Mordserie nun in ein Dokumentar-Theaterstück. Die Figur Niels Högel wird auf der Bühne jedoch nicht auftreten.

 

Mit welchen Mitteln die Theatermacher die Dramatik der Morde auf die Bühne bringen und warum Niels Högel im Stück keine Rolle spielt, sehen Sie im Video.

 

Theaterstück löste heftige Diskussionen aus

 

Doch zunächst ernteten die Pläne der Theatermacher vor allem Kritik. Aus der Sicht viele Angehöriger sei es pietätlos, die Mordserie auf der Theaterbühne auszuschlachten. Auch Christian Marbach sah es erst kritisch, dass der Tod seines Großvaters auf der Bühne thematisiert werden sollte. Doch nach einigen Gesprächen hatte ihn die Idee des Dokumentar-Theaterstückes überzeugt: "Im Stück geht es auch um Schuld, aber nicht nur um juristischen Sinne, sondern auch im persönlichen und moralischen Sinne. Wie auch Angehörige und Betroffene in diesem Justiz-Skandal schlichtweg verloren gegangen sind"-

 

"Da ist eine allgemeine Verunsicherung in der Bevölkerung"

 

Mit dem Gerichtsurteil im vergangenen Juni ging der wohl größte Serienmord-Prozess der deutschen Nachkriegszeit zu Ende. Doch auch nach dem letzten Prozesstag bleiben Fragen offen. "Da ist eine allgemeine Verunsicherung in der Bevölkerung" sagte Regisseurin Julia Roesler. Roesler habe zur Vorbereitung des Theaterstückes viele Gespräche geführt: "Zum Beispiel haben uns Pfleger und Ärzte beschrieben, dass es immer wieder so eine Situation gab in der Menschen in einer Notsituation gesagt haben 'Aber bitte fahrt mich nicht ins Klinikum Oldenburg!'" berichtete die Regisseurin.

 

Neele Knetemann / Julia Franz

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