Fehmarnbelt-Tunnel: Nächstes Millionengrab in Norddeutschland?

 

Der Tunnel soll Deutschland und Dänemark verbinden. Seit elf Jahren steht der Beschluss für den Bau. Und schon genauso lange streiten sich Wirtschaft, Bürger und Politik über den Nutzen. Jetzt kommt auch noch heraus: Das Fehmarnbelt-Projekt wird viermal so teuer wie ursprünglich geplant. Laut Bundesrechnungshof steigen die Kosten auf 3,5 Milliarden Euro.


Kein Bagger, keine Baustelle. Noch ist vom Fehmarnbelt-Tunnel auf deutscher Seite nichts zu sehen. Die Kosten von Nordeuropas größtem Bauprojekt, sie drohen zu explodieren. Prüfer fordern sogar, das Projekt komplett zu überdenken. Denn anfangs sollte die Hinterlandanbindung auf deutscher Seite 817 Millionen Euro kosten. Mittlerweile soll diese schlappe 3,5 Milliarden Euro kosten, wie der Bundesrechnungshof bekannt gibt. Die Baukosten für den Tunnel übernimmt Dänemark.


Politiker argumentieren mit dem Umweltaspekt


Die Landesregierung hält dennoch an dem Belttunnel fest. Denn er soll den Güterverkehr von der Straße auf die Schienen umlenken, sagt Bernd Buchholz, FDP-Politiker und Minister für Wirtschaft und Verkehr in Schleswig-Holstein: „Also alles, was wir in Klimaschutzfragen in den vergangenen Wochen und Monaten diskutieren, ist mit der Fehmarnbelt-Querung bestens realisierbar. Und ja: das kostet Geld.“


Die Deutsche Bahn bestreitet die neuen Zahlen


Auch die Deutsche Bahn will von den Vorwürfen nichts wissen und bestreitet die Kostenexplosion. In den 3,5 Milliarden Euro sind viele Kosten enthalten, das könne man nicht einfach so in Relation mit den ursprünglichen des Staatsvertrages setzen, sagt Peter Mantik, Sprecher der Deutschen Bahn. Für sie ist klar: Sie wollen das Projekt weiterhin umsetzen. „Wir haben einen Auftrag als Deutsche Bahn bekommen. Wir sind der Auftragnehmer. Und wir wollen dieses Projekt realisieren“, sagt er.


Der Tunnel soll die Fahrzeit verkürzen


Der Belttunnel soll die Insel Fehmarn und die dänische Insel Lolland verbinden: 18 Kilometer lang mit einer vierspurigen Autobahn und einer zweigleisigen Bahnstrecke. Dadurch soll sich die Fahrzeit von Hamburg nach Kopenhagen von viereinhalb auf zweieinhalb Stunden verkürzen. Dänemark übernimmt die Kosten für den Tunnel, Deutschland für die Hinterlandanbindung auf der eigenen Seite.

Frühestens 2021 kann es mit den Bauarbeiten losgehen. Denn mehrere Verbände und Unternehmen haben beim Bundesveraltungsgericht Klage eingereicht. In Dänemark sind die ersten Bagger bereits angerollt.


Der Bau soll immense Auswirkungen auf die Umwelt haben


Karin Neumann kämpft mit dem Aktionsbündnis Beltretter bereits seit zehn Jahren gegen den Tunnelbau. „Die Umweltschäden, die wir befürchten, sind immens“, sagt sie. Außerdem könne sie keine positive Auswirkung auf die Wirtschaftlichkeit feststellen. Aber ist so ein Staatsvertrag wie der zwischen Dänemark und Deutschland nicht bindend? „Es gibt diesen Paragraphen, auf den wir immer wieder gerne hinweisen: Sollten sich die Kosten und Umstände bei diesem Projekt derart verändern, wie es gerade wieder einmal der Fall ist, dann würden sich die Staaten zusammensetzen und das Projekt noch einmal neu bewerten“, sagt Karin Neumann. Und genau das fordern Aktivisten wie Karin Neumann.
Für Neumann ist klar: Der Kontrollverlust wie beim Megaprojekt Stuttgart 21 darf sich nicht wiederholen.


Nicht das einzige Großprojekt, das außer Kosten-Kontrolle gerät


Die Hinterlandanbindung des Fehmarnbelt-Tunnels ist nicht das einzige Projekt, bei dem die Kosten explodierten. Bei Stuttgart 21 war zu Baubeginn von 4,5 Milliarden Euro die Rede. Nun sind es schon 8,2 Milliarden Euro. Tendenz weiter steigend. Oder auch die Elbphilharmonie sollte mal 77 Millionen Euro kosten. Am Ende waren es 800 Millionen Euro.

 

Katharina Steinhöfel / Jasmin Bergmann

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