Ein Stück Elbtunnel-Geschichte: Wie ein Hamburger einen echten Schatz gefunden hat

 

Beim Aufräumen auf dem eigenen Dachboden finden die meisten Menschen außer Schrott und vielleicht ein paar Kindheitserinnerungen wohl nichts von Wert. Jan-Peter Hein dagegen hat bei seinem Frühjahrsputz einen echten Schatz gefunden. Welchen, das zeigt er uns im Video.


Original-Dokumente aus der Elbtunnel-Bauzeit


Aber von vorn: Eigentlich wollte Jan-Peter Hein nur etwas Ordnung auf dem Dachboden des Elbtunnel-Betriebsgebäudes schaffen. Denn über die Jahrzehnte hatten sich jede Menge Kartons und Aktenordner angesammelt, überwiegend mit Rechnungen, Auftragsformularen und anderem wertlosen Papierkram. Der ehemalige Kapitän stößt dann zufällig auf einen außergewöhnlichen Fund: Dutzende Aktenkoffer, etwa 900 Fotos und hunderte technische Zeichnungen, die sich mit der Planung und Entstehung des Elbtunnels beschäftigen – unter anderem sogar die Abschrift des Original-Bauvertrags aus dem Jahr 1907! Ein Historiker bestätigt später den großen Wert des außergewöhnlichen Fundes. Hier handelt es sich um einen echten Schatz!

Persönliche Bedeutung für den Finder


Für Hein, der bei der Hamburg Port Authority angestellt und somit für die Belange rund um den Hamburger Hafen zuständig ist, ist der Fund nicht nur aus rein dienstlicher Sicht spektakulär: Weil er schon als Kind sehr oft am und im Elbtunnel war, hofft er, sich auf den Fotos eventuell wiederzufinden. Auch wenn ihm das bisher noch nicht gelungen ist. Aus dem Schatz-Finder Hein ist übrigens der Schatz-Hüter Hein geworden. Denn der ehemalige Kapitän ist jetzt als Ehren-Archivar für die gut 1800 Fotos und Schriftstücke große Sammlung verantwortlich. Einen Teil davon können die Hamburger bald mit eigenen Augen sehen. Denn viele Bilder sollen ab Ende April in der dann fertig sanierten Oströhre ausgestellt werden.


Der Elbtunnel war eine echte Sensation


Der alte Elbtunnel gehört seit mehr als 100 Jahren zu Hamburg. 1907 beginnen die Bauarbeiten, vier Jahre später ist das Bauwerk fertig. Der Tunnel ist eine echte Sensation: Die 426,5 Meter lange Verbindung von den St. Pauli Landungsbrücken nach Steinwerder ist die erste Flussuntertunnelung Europas. Damals wie heute gibt es keine Zufahrtsrampen. Fahrzeuge werden stattdessen mit jeweils vier Aufzügen auf beiden Seiten 24 Meter in die Tiefe befördert. Auch Fußgänger können bequem diese Aufzüge nutzen – oder die Treppen nehmen.


Ausflugstipp: Tunnel-Touren

Seit 2003 steht der Tunnel unter Denkmalschutz. Unter Tage erwarten die Besucher aber nicht nur zwei schnöde Tunnelröhren, sondern eine filmreife Kulisse. Und auch nach mehr als 100 Jahren Elbtunnel hat sich eins nicht geändert: Die Begehung ist für Fußgänger kostenfrei und an jedem Tag des Jahres möglich – mit nur einer Ausnahme: In der Silvesternacht ist der Tunnel von 21 bis 4 Uhr geschlossen.


Karsten Krönke / Daniel Kandora

 

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