Drittes Dürrejahr in Folge: Unsere Wälder leiden unter Trockenheit

 

Es ist heiß und der Himmel blau, aber was viele Menschen genießen, lässt unsere Wälder leiden. Auch Großstädte sorgen sich um ihre Bäume. Hamburg beispielsweise besteht zu sieben Prozent aus Wald. Eigentlich soll er ein Ort der Erholung sein, das Stadtklima runterkühlen und mit Sauerstoff anreichern, aber der Stadtwald ist krank.

Woran Sie gestresste oder sogar kranke Bäume erkennen, sehen Sie im Video.

 

„Wir sehen im Frühjahr komplett absterbende junge Bäume…“

 

Vertrocknete Fichten, abgestorbene Blätter, Borkenkäferbefall, ausgedünnte Kronen, Astbrüche. Das alles sind deutlich sichtbare Dürreschäden eines Waldes. Bereits im Frühjahr warnte der NABU (Naturschutzbund Deutschland), dass in diesem Jahr 500.000 Hektar Wald geschädigt werden könnten. Auch das Bergedorfer Gehölz in Hamburg von Revierförster Tim Laumanns ist im dritten Dürrejahr in Folge vom Wassermangel gebeutelt. „Wir sehen im Frühjahr komplett absterbende junge Bäume, auch Eiche und Birke, das ist in diesem Jahr deutlich zu sehen, viel, viel mehr wie sonst“, beschreibt Laumanns die aktuelle Situation in seinem Revier. 

 

Fichten können kaum überleben

 

Ähnlich sieht es in ganz Hamburg aus, so Waldforscher Prof. Michael Köhl von der Universität Hamburg. Vor allem Fichten können kaum noch überleben. Sie sind Flachwurzler und erreichen so nicht mehr das immer tiefer absinkende Grundwasser. Die Folge: Die Bäume können keinen Harz mehr bilden, mit dem sie sich sonst gegen Schädlinge wie den Borkenkäfer wehren.

 

Bäume sind der Dürre hilflos ausgeliefert

 

Große Bäume leben mehrere Jahrhunderte. Auf Klimaänderungen reagieren sie innerhalb von Jahrzehnten. Die rasant voranschreitende Erderhitzung spielt sich innerhalb weniger Jahre ab. So schnell können Bäume nicht reagieren. Sie sind der Dürre hilflos ausgeliefert, reagieren mit Notstrategien, indem sie z.B. weniger Blätter bilden, um Energie zu sparen.

 

Bäume müssen sich genetisch dem Klimawandel anpassen

 

Es ist eine große Herausforderung den Wald klimawandelfit zu machen. „Wenn wir Flächen verlieren, dann können wir dafür sorgen, dass wir dort eine Neubegründung der Wälder mit klimaflexiblen Baumarten machen“, rät Laumanns. Und glücklicherweise besitzt die Natur selbst enorme regenerative Kraft. Manchmal muss man tote Bäume schneller fällen, damit vitale Jungbäume besser aus dem Boden schießen können. Außerdem haben Bäume bestimmte Strategien, um sich anzupassen, dazu gehört eine sehr große genetische Vielfallt, mit der sie sich dann auch an geänderte Umweltbedingungen anpassen können. „Unsere Hoffnung ist eben, dass diese Fähigkeit der Bäume auch ausreicht, um mit diesen neuen Klimabedingungen fertig zu werden“, erklärt Köhl. Zusätzlich greifen Förster, Waldarbeiter und Wissenschaftler dem Wald unter die Arme. So soll auch in Städten wie Hamburg der so wichtige Stadtwald zukünftig erhalten bleiben.

 

Jannika Schultz und Nicole Ide

Drittes Dürrejahr in Folge: Hamburgs Wälder leiden unter Trockenheit
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