Der Weg zum Blindenführhund ist kein Leckerli – über Hunde-Paten und hartes Training

 

Acht Labrador-Colli-Welpen haben die Chance, zum Blindenführhund ausgebildet zu werden. Nicht alle werden den Test bestehen – Trainerin Nadja Steffen siebt ordentlich aus. Denn ein solcher Hund muss einiges an Können mitbringen, um einen Blinden zu führen: unempfindlich, wenig Jagdverhalten und aufgeschlossen. Auch Welpe Mayla ist eine Anwärterin und muss sich dem Auswahlverfahren stellen.

Was Mayla für Proben bestehen muss und wie sie sich dabei schlägt, sehen Sie im Video.


Mit ganzem Herz bei der Sache


Nadja Steffen erkennt sofort, hinter welcher Fellnase Potential steckt. Fast 30 Jahre als Blindenführhunde-Trainerin mit einer eigenen Schule haben ihre Augen geschult – und ihr Studium in Tiermedizin. Ihre Hunde züchtet sie selbst, um die vielen Anforderungen des Blindenführhundes so gut wie möglich zu erfüllen. „Letztendlich müssen die Hunde sehr aufgeschlossen gegenüber Menschen sein, sehr sicher in der Umwelt und mit anderen Hunden und wenig Jagdverhalten zeigen“, sagt Steffen. Jedes Jahr bildet die Trainerin bis zu vier Hunden zum Blindenführhund aus. Die anderen Welpen bekommen ein neues Zuhause.

Ein Jahr Teil der Familie


Doch bevor die Kleinen in die harte Schule gehen, leben sie für ein Jahr in Familien. Tatjana Strauß ist so eine Hunde-Patin. Schon drei zukünftige Blindenführhunde beherbergte sie für jeweils ein Jahr. Der Abschied fällt ihr aber trotz allem immer wieder schwer: „Da fließt dann schon mal ein Tränchen. Aber die Blindenführhunde müssen letztendlich ja irgendwoher kommen.“ Denn in diesem Jahr wird nicht nur geschmust.

Den Hunde-Paten steht einiges bevor


Einmal pro Woche oder spätestens alle zwei Wochen trifft sich Nadja Steffen mit den Paten. Die Trainerin möchte die Entwicklung der Hunde beobachten und gegebenenfalls Erziehungstipps geben. Der Hund sollte in dieser Zeit genügend Auslauf und Auslastung bekommen. Also regelmäßiges spielen, toben, Gassigehen und und und. Außerdem sollte folgendes mit den kleinen Hunden trainiert werden:

  • Kennenlernen anderer Hunde
  • Entwöhnung von dem überall umherschnuppern
  • Außerachtlassen von Geräuschen und anderen Einflüssen

Die Kosten für den Hund, wie Futter und Arztbesuche, übernimmt die Schule.

Die Ausbildung ist kein Leckerli


Nach diesem Familienjahr geht’s dann so richtig los: 400 Stunden Arbeit pro Hund benötigt es, bis aus den kleinen Rackern ausgebildete Blindenführhunde werden. Das ist fast ein Jahr hartes Training. Die letzten Einheiten finden dann schon zusammen mit den Blinden statt.

Klausi ist bereits stolzer Absolvent


Auch Klausi ging bei Steffen in die Hundeschule. Nun lebt der Labrador-Mischling bei Ingrid Müller. Die Rentnerin hatte vor 25 Jahren einen Unfall – und ist von da an blind. Seit drei Jahren hilft Klausi ihr in allen Lebenslagen. Er gibt ihr ein geborgenes Gefühl. Vor allem außerhalb der eigenen vier Wände, ersetzt er ihre Augen. Sei es bei der Überquerung einer Straße oder beim Treppensteigen. „Er gibt mir ein Stück Sicherheit und das Vertrauen: Ich laufe nicht alleine herum.“

Das Ganze hat seinen Preis


Doch ein so gut ausgebildeter Blindenführhund hat seinen (stolzen) Preis: bis zu 30.000 Euro kostet der Lebensgefährte. Die Krankenkassen übernehmen allerdings den größten Teil der Kosten.

Möchten Sie einem der Welpen ein Zuhause geben?


Dann melden Sie sich bei Nadja Steffen unter der Telefonnummer 040 – 3173019. Vier der im Video gezeigten Welpen suchen ein Heim für ein Jahr. Sie werden anschließend als Blindenführhunde ausgebildet. Die restlichen Vier sind auf der Suche nach neuen Besitzern.

Die Treffen mit Trainerin Nadja Steffen finden in Hamburg Nord und West statt, vor allem im Umkreis von Norderstedt und Poppenbüttel.

Paula Deusing / Jasmin Bergmann

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