Coolness-Day in Hamburg: Hier werden Fußballer mit Aggressionsproblemen gezähmt

 

Gewalt im Hamburger Amateurfußball ist leider keine Seltenheit. Spieler geraten aneinander, Schiedsrichter werden beleidigt und angegriffen. Mit seinem „Coolness“-Seminar will Coach Wilfried Wilkens das verhindern. Er bringt die Fußballer, die vom Verband gesperrt werden, wieder in die richtige Spur und auf's Spielfeld.


Wie sich der junge Amateurfußballer Leonardo beim Coolness-Day schlägt, sehen Sie im Video.


Wenn die Emotionen auf dem Platz hochkochen, kann sich nicht jeder zusammenreißen


„Fußball ist eben ein sehr emotionaler Sport und birgt gerade deshalb Konfliktpotenzial. Da treffen viele Menschen aufeinander, die woanders herkommen, anders aufgewachsen sind, unterschiedlich alt sind. Natürlich konkurrieren die dann auch noch leistungstechnisch miteinander“, sagt Wilfried Wilkens, Leiter des Coolness-Days. Lange Zeit war der 60-Jährige selbst im Amateurfußball aktiv und hat immer wieder Auseinandersetzungen zwischen Spielern, Trainern und Schiedsrichtern mitbekommen.

Ernsthafte Konsequenzen hat so ein aggressives Verhalten dann, wenn die Fußballer andere Spieler wiederholt verbal beleidigen oder sogar körperlich tätig werden - mit absichtlichen Fouls, Schlägen oder Tritten. Die Folge: Der Fußballverband sperrt sie als aktive Spieler, je nach Vergehen für wenige Wochen oder auch mal bis zu ein Jahr.


Beim Coolness-Tag will man Aggressionen verstehen, statt sie nur zu bestrafen


Verband und Sportgerichte wollen aber nicht nur sanktionieren. Die Spieler sollen ihr Fehlverhalten reflektieren und ihre Aggressionen in Zukunft besser im Griff haben. Seit einigen Jahren coacht Wilfried Wilkens deshalb in dem eintägigen „Coolness“-Seminar junge Amateur-Fußballer aus Hamburg, die wegen Fehlverhaltens vom Fußballverband gesperrt wurden. Manchmal kommen auch präventiv ganze Mannschaften, innerhalb derer es immer wieder zu Streitereien kommt.

So ein Coolness-Tag beginnt mit einem intensiven Gruppengespräch, bei der alle Teilnehmer ihre Geschichte erzählen und die Sichtweise der anderen dazu hören können. Wilfried Wilkens versucht herauszufinden, was genau die Aggressionen beim Einzelnen auslöst. Zusammen diskutieren die Fußball-Liebhaber, wie man in den Konfliktsituationen anders handeln und eine Eskalation vermeiden könnte. Im Praxisteil am Nachmittag werden diese Handlungsalternativen dann auf dem Bolzplatz durchgespielt. 


Impulsives Handeln adé: Durchdachtes Schlichten oder Ignorieren

„Man hat im Grunde zwei Optionen, mit so einer aggressionsgeladenen Situation umzugehen. Sie schlichten oder einfach ignorieren“, meint Coach Wilken. Beim Schlichten sei es wichtig, sachlich zu bleiben und sich auch mal in den anderen hineinzuversetzen. Kritische Bemerkungen dürften zwar fallen, aber ohne beleidigend zu werden. „Das Schlichten ist vor allem dann wichtig, wenn man in einem Spiel schon öfter mal aneinandergeraten ist, denn niemand kann 90 Minuten lang komplett auf stumm schalten, wenn immer wieder was kommt.“

Der Coolness-Day dauert zwar nur einen Tag, aber Wilkens erhofft sich für die Spieler auch eine langfristige Wirkung. „Ich wünsche mir, dass sie sich auch noch in ein paar Jahren daran erinnern, was sie hier gelernt haben und es dann im Herrenbereich deutlich leichter haben.“ Laut Wilkens konnte dieser spezielle Anti-Aggressions-Tag schon messbar etwas bewirken. Ein Großteil der Spieler, die am Coolness-Day teilgenommen haben, falle danach nicht wieder negativ auf.


Lorraine McIlvenny

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